Interview mit Günther Thömmes zum Buch ‘So braut Deutschland’

Das neue Buch von Bierbuchautor und Diplom-Braumeister Günther Thömmes ‘So braut Deutschland’ erfreut sich großer Beliebtheit. An anderer Stelle haben wir das Buch schon ausführlich vorgestellt und beschrieben. Doch wie ist es eigentlich entstanden und was war die Motivation dazu? Diese und weitere Fragen haben wir Günther Thömmes gestellt.

Hallo Günther, Dein neustes Buch ist ‘So braut Deutschland’. Wie beschreibst Du dein Buch selbst in ein oder zwei Sätzen?
Es ist ein Reiseführer-Lesebuch, das einen schönen Querschnitt durch Deutschlands Brauereien bietet. Abseits von Fernsehbier und Braukonzernen.

Bevor wir etwas tiefer ins Buch gehen, stell dich doch bitte kurz selbst vor.
Ich bin Jahrgang 1963 und stamme aus Bitburg in der Eifel. Dort habe ich in den 80er Jahren eine Ausbildung als Brauer und Mälzer gemacht – danach ein Studium zum Diplom-Braumeister in Freising-Weihenstephan. Nach über 20 Jahren als Weltreisender in Sachen Bier und Brauereien (Brauereiplanung/Zulieferindustrie), hab ich mich 2010 mit der kleinen Erlebnisbrauerei „Bierzauberei“ in Brunn am Gebirge, am Rand des schönen Wienerwalds, selbstständig gemacht. In der bereits im gleichen Jahr als „Kleinbrauerei des Jahres“ ausgezeichneten Bierzauberei habe ich dann einige Jahre lang obergärige Bierspezialitäten, aber auch gelegentlich historische, ausgestorbene Biersorten gebraut. Ende 2013 habe ich die Braustätte geschlossen und bin dann gut 2 Jahre als Wanderbrauer unterwegs gewesen (Salzburg, Budapest, Wienerwald, Deutschland). Demnächst startet unser neues Projekt, die Kreativbrauerei „Hopfenartisten“, in Mödling bei Wien. Ich habe zahlreiche Fachartikel zu den Themen Bier, Brauhistorie und Reinheitsgebot in verschiedenen Zeitungen, Fachzeitschriften und Blogs veröffentlicht. (u.a. Spektrum der Wissenschaft, Brauwelt, Bier & Brauhaus, BierGenußPur, Zymurgy, Pub-Brewing Magazine, Mixology). 2005 ist mein amüsantes Bier-Lexikon „Jetzt gibt es kein Bier, sondern Kölsch“ erschienen, 2010 der Bildband „Die Geschichte der Brunner Brauerei 1790-1930“. 2008 war mein Debüt als Romanautor mit dem historischen Roman „Der Bierzauberer“, dem bislang zwei weitere Bierzauberer-Romane (darunter „Das Erbe des Bierzauberers“, der Roman zur Entstehung des Reinheitsgebotes), ein “bierloser” historischer Roman (Der Papstkäufer) und diverse Kurzkrimis, meist mit Bierbezug, folgten. Einer davon in der Bierkrimi-Anthologie „Malz und Totschlag“, bei der ich auch Herausgeber war. Ich lebe in der Nähe von Wien, bin verheiratet und habe einen Sohn.

Wie ist die Idee zum Buch entstanden?
Mein Verlag wollte unbedingt ein neues Buch von mir zum RHG-Jubiläum, am Liebsten einen neuen Bierzauberer-Roman. Das ging aber zeitlich nicht, und weil es im Verlag die schöne Reihe “Lieblingsplätze” gibt, habe ich vorgeschlagen, einmal nicht regional, sondern thematisch Lieblingsplätze zu besuchen und zu beschreiben.

Wie lange haben die Recherchen zum Bier gedauert und wie lief das ab?
Das ganze Projekt hat etwa ein Jahr in Anspruch genommen. Erst einmal musste ich den Rahmen abstecken, welche Brauereien generell in Frage kommen und welche nicht. Dann habe ich auf diversen Biergruppen bei Facebook rumgefragt, ob die Leute Geheimtipps haben, die reingehören. Am Ende war ein sehr lange Liste, die dann ein wenig eingedampft wurde. Dann bin ich immer, wenn ich in Deutschland unterwegs war, ein paar Brauereien entlang der Route besuchen gefahren. Mal mit Anmeldung, mal ohne. Immer so Trips von 2-4 Tagen. Einige wenige Brauereien habe ich gestrichen, weil sie mir nicht gefallen haben oder für Besucher völlig ungeeignet sind. Aber am Ende hatte ich eine tolle Liste, und dazu noch drei sehr gute, bierversierte Gastautoren (Claudia Steinert, Norbert Krines und Volker Quante), die mir über zwei Bierstädte (Bamberg und Düsseldorf) sowie über Braufrauen sehr schöne Gastbeiträge geliefert haben. Alles in allem bin ich über 20.000 Kilometer gefahren bei der Recherche. Ich habe dabei viel gelernt und gesehen.

Was hat Dir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht?
Bei den Romanen war es immer wieder toll, wenn gewisse Figuren irgendwann ein Eigenleben entwickeln und meinen geplanten Plot durcheinander bringen. Das ist sehr beeindruckend, wenn so etwas geschieht. Und für mich ein Signal, dass die Figuren wirklich leben. DAS macht Spaß! “So braut Deutschland” ist aber keine Fiktion, also musste ich die Sache anders angehen. Irgendwann beim Schreiben habe ich gemerkt, dass es besser geht, wenn ich zu jeder Brauerei eine Geschichte finde, und das habe ich dann durchgezogen. Besonderen Spaß hat es dann gemacht, wenn ich eine neue Brauerei entdeckt habe, wo die Geschichte förmlich auf der Hand lag. Das war dann auch immer sehr spannend.

Kannst Du dir einen ‘So braut Deutschland Teil 2’ oder ähnliches vorstellen?
Unbedingt! Deutschland hat so viele tolle Brauereien, da habe ich hier mit 66 Beschreibungen und 5 Bierstädten nur an der Oberfläche gekratzt.

Wer sollte das Buch lesen?
Jeder, der sich für Bier interessiert und gerne unterwegs ist.

Bier brauen oder über Bier beschreiben, was macht mehr Freude?
Beides zu seiner Zeit.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit deinen weiteren Projekten!

Das Buch gibt es im gut sortierten Buchhandel und online. Die ausführliche Buchbesprechung gibt es hier…

 

Buch Info:
Günther Thömmes
So braut Deutschland – Wo unser Bier entsteht
Gmeiner-Verlag GmbH
Meßkirch, 2016
ISBN 978-3-8392-1873-0
Preis: 14,99 Euro

So braut Deutschland: Wo unser Bier entsteht (Lieblingsplätze im GMEINER-Verlag)

So braut Deutschland von Günther Thömmes

Bier, Deutschland, Reinheitsgebot. Das gehört zusammen, oder? Klar, Deutschland ist doch (zumindest gefühlt) der Erfinder und Weltmeister des Biers. Doch wie und wo wird dieses deutsche Bier eigentlich gebraut? Und was gibt es neben Fernsehbier und TV-Pils noch so alles was in Deutschland aus den Sudkesseln kommt? Diese und noch mehr Fragen werden im neuen Buch von Diplom-Braumeister und Buchautor Günther Thömmes beantwortet.

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‚So braut Deutschland’ verspricht der Titel, und ja: nach dem Lesen des Buchs hat man einen schönen Einblick von wem und wie in Deutschland gebraut wird. Das Buch liest sich fast schon wie ein Reiseführer in Sachen Bier – kein Wunder, hat Günther Thömmes selbst doch mehr als 50 Brauereien in ganz Deutschland besucht. Neben Portraits von kleinen und großen Brauereien gibt es auch noch spezielle Berichte über die großen Bierstädte Deutschlands wie Düsseldorf, Hamburg und Berlin. Diese wurden von Gastautoren wie Norbert Krines und Volker Quante geschrieben.

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Die Brauereien werden jeweils auf einer Seite vorgestellt, mit einem kleinen Hintergrundbericht und ein paar Fakten wie z.B. Größe, Biersorten und Besucherinfos. Dazu gibt es jeweils noch ein ansehnliches Foto.

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Was dieses Buch für mich persönlich sehr interessant gemacht hat, ist die Tatsache, dass der Autor selbst Brauer ist. Man liest also hier nicht ein Bierbuch eines Bierfans, sondern bekommt die Szene aus den Augen eines Beteiligten gezeigt. Dies soll nicht bedeuten, dass es dadurch besser oder schlechter ist als andere Bücher, aber es ist sehr interessant!

Das Buch gibt es seit einigen Wochen auf dem Markt und ist bestimmt in jeder guten Buchhandlung zu kaufen. Alternativ kann man es auch Online bestellen. Für den Buchpreis von 14,99 bekommt man ein toll geschriebenes und schön designtes Buch, welches in keinem Bierbuchregal fehlen sollte.

Buch Info:
Günther Thömmes
So braut Deutschland – Wo unser Bier entsteht
Gmeiner-Verlag GmbH
Meßkirch, 2016
ISBN 978-3-8392-1873-0
Preis: 14,99 Euro

So braut Deutschland: Wo unser Bier entsteht (Lieblingsplätze im GMEINER-Verlag)