Brausilvester: Der Jahreswechsel der Brauer am 30. September

Am 30. September endet nach altem Brauch das Brauwirtschaftsjahr. Einige Brauereien (u.a. in Baden-Württemberg) arbeiten noch heute nach ihm und schließen ihr Geschäftsjahr nicht wie üblich zum 31. Dezember, sondern zum 30. September ab. Aus diesem Grund feiern Brauer und Wirte nicht nur in Baden-Württemberg sondern auch anderen Regionen und Ländern in diesen Tagen wieder das Brausilvester.

Der Ursprung des Braujahres und die damit verbundene Abweichung zu unserem heute verwendeten Kalenderjahr stammt bereits aus dem Mittelalter. Vor vielen einhundert Jahren bedeuteten die warmen Sommermonate für die Brauer etwas, das heute unbegreiflich wäre: ein Herstellungsverbot für Bier. „Als es noch keine Geräte zur Kühlung gab, durfte ausschließlich in den kalten Monaten des Jahres, von Michaeli, also vom 29. September bis Georgi am 23. April, gebraut werden“, erklärt der Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Brauerbundes, Hans-Walter Janitz. Im restlichen Jahr hätten die hohen Temperaturen dem wärmeempfindlichen Bier zu stark zugesetzt. „Damit die Brauer ihren goldenen Hopfentrunk auch im Sommer anbieten konnten, wurden die letzten Biere mit einer höheren Stammwürze- und höherem Alkoholgehalt eingebraut. So hielten sie länger und stellten die Bierversorgung für die warmen Monate sicher“, so Janitz. Im Oktober konnte dann, dank den frisch geernteten Rohstoffen Hopfen und Malz, wieder mit dem Bierbrauen begonnen werden.

Das sommerliche Brauverbot wurde im 19. Jahrhundert mit der Erfindung der Kältemaschine und die damit funktionierende Kühlung der Biere aufgehoben. Was jedoch als Andenken an die vergangene Zeit geblieben ist, sind die Feierlichkeiten zum Start in das neue Braujahr. Das Brausilvester hat sich im Lauf der Jahrhunderte zum liebgewonnen Erntedank-Brauchtum entwickelt. Zudem möchten die Brauer den Bierfreunden heute mit dem bierigen Freudenfest die Naturnähe und Naturabhängigkeit des Produktes von den Rohstoffen bewusst machen.

 

Quelle: Baden-Württembergischer Brauerbund e.V.

In Deutschland gibt es immer mehr Brauereien

Die Zahl der Brauereien ist 2016 weiter gestiegen. Derzeit gibt es 1408 Braustätten in Deutschland – rund 100 Betriebe mehr als noch vor zehn Jahren. Dies berichtet der Deutsche Brauer-Bund, der Dachverband der Brauwirtschaft, unter Berufung auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes. Damit liegt die Zahl der Bier brauenden Betriebe in Deutschland erstmals seit dem Jahr 1978 wieder über der Marke von 1.400. Damals hatte der Brauer-Bund für Westdeutschland 1.415 Brauereien registriert.

50 % Mikrobrauereien

Den stärksten Zuwachs im vergangenen Jahr verzeichneten der Großraum Hamburg und Schleswig-Holstein mit acht neuen Brauereien, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit sechs zusätzlichen Betrieben. Im Zehn-Jahres-Trend liegt Berlin an der Spitze: In der Hauptstadt entstanden seit 2006 laut Statistik 27 neue Brauereien. Hauptgrund hierfür ist die wachsende Craftbier-Szene in Berlin. Bei gut der Hälfte der deutschen Brauereien handelt es sich um sogenannte „Mikrobrauereien“ mit einem Jahresausstoß bis 1.000 Hektoliter. Während immer mehr Bäckereien und Metzgereien in Deutschland von Schließung bedroht sind, erlebt das Brauhandwerk eine Renaissance: Der Dachverband rechnet damit, dass bei einer Fortsetzung des Wachstums bis zum Jahr 2020 die Marke von 1.500 Brauereien erreicht werden könnte.

Zuwachs an Spezialitätenbieren

„Der deutsche Biermarkt ist innovativ und dynamisch. Jede Woche kommen neue, hochwertige Biere auf den Markt. Die Verbraucher hatten nie eine so große Auswahl wie heute“, so Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes in Berlin. Die größten Steigerungsraten seien 2016 bei Spezialitätenbieren und Hellem zu verzeichnen gewesen. Auch Alkoholfreie Biere seien weiterhin sehr erfolgreich. Nach wie vor aber steht Pils bei den verkauften Biersorten mit einem Marktanteil von über 50 Prozent unangefochten an erster Stelle, gefolgt von Weizen und Export.

Weltweit Deutschland auf Platz 4

Unter den 16 Bundesländern liegt Bayern mit 624 Braustätten weiter mit großem Abstand an der Spitze. Es folgen Baden-Württemberg mit 195 Braustätten auf Platz 2 und Nordrhein-Westfalen mit 132 Betrieben auf Platz 3. Insgesamt wurden in Deutschland 2016 rund 95 Millionen Hektoliter Bier gebraut (inklusive alkoholfreier Sorten). Damit hält Deutschland nach wie vor die Spitzenstellung als größte europäische Braunation und liegt mit großem Abstand vor Russland, Großbritannien, Polen und Spanien. Weltweit ist China der größte Bierproduzent, vor den USA und Brasilien. Deutschland steht auf Platz 4 der weltgrößten Braunationen.

Brauereien in 2016 pro Bundesland:

  • Bayern: 624 (2015: 626)
  • Baden-Württemberg: 195 (191)
  • Nordrhein-Westfalen: 132 (126)
  • Hessen: 75 (70)
  • Niedersachsen und Bremen: 72 (69)
  • Rheinland-Pfalz und Saarland: 72 (68)
  • Berlin/Brandenburg: 65 (62)
  • Sachsen: 62 (64)
  • Thüringen: 35 (35)
  • Schleswig-Holstein und Hamburg: 38 (30)
  • Sachsen-Anhalt: 24 (22)
  • Mecklenburg-Vorpommern: 21 (21)

Quelle: brauer-bund.de