Interview mit Günther Thömmes zum Reinheitsgebot

Wenn am 23. April 2016 das Reinheitsgebot 500 Jahre alt wird, gibt es viele Festveranstaltungen und Feiern zu diesem Anlass. Wie kleine und große Brauereien zum Reinheitsgebot stehen haben wir in den letzten Tagen schon ausführlich berichtet. Doch wie steht ein unabhängiger Wanderbrauer dazu? Wir haben mit Günther Thömmes, Braumeister (Stichwort: Bierzauberei) und bekannter Bierbuch-Autor (,So braut Deutschland’), gesprochen und gefragt was es mit diesem Reinheitsgebot eigentlich so auf sich hat.

Hallo Günther, wie erklärst Du das Reinheitsgebot in eigenen Worten?
Es gibt ja mindestens Drei: Das von 1516 ist eine nette historische Urkunde. Das heutige RHG der Brauerbünde ist eine wirklichkeitsfremde Vision, mit der sie die Konsumenten für dumm verkaufen wollen. Und das Dritte, das der Realität, hat mit den beiden anderen leider nichts zu tun.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Nein, keinesfalls. Man kann innerhalb des Reinheitsgebots richtig schlechtes, geschmackloses Bier brauen (Gibt es auch!), genau so wie man ausserhalb des RHG sehr leckere Sachen machen kann. Die Einstellung des Braumeisters zu seinem Produkt ist viel wichtiger.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Ja, definitiv. Es ist ein Totschlagargument, immer wieder auf 30 Malzsorten, 150 Hefestämme und 80 Hopfensorten zu verweisen (Die Zahlen stimmen nicht, aber in diese Richtung geht es…) und dann zu behaupten, das reiche aus für 36.000 verschiedenen Biere INNERHALB des RHG. Und das müsse ausreichen. Niemand will den RHG-Brauern ja verbieten, so zu brauen, es gibt aber halt viele Brauer, die mittlerweile mit anderen, NATÜRLICHEN Zutaten brauen wollen. Mit Obst, Kräutern, Gewürzen Gemüse. Was soll daran schlecht sein? DAS würde die Kreativität vorantreiben…

Was sind die größten Mythen und Missverständnisse rund um das RHG?
Oh, da gibt es einige:

  • Dass das RHG ein Gesetz ist. Es gibt kein Gesetz namens “Reinheitsgebot”. Offiziell heißt es “Bierverordnung”.
  • Dass das RHG ein singuläres Gesetz ist. Der Erlass von 1516 war nur ein Punkt in einer ganzen Reihe von Bierverordnungen, die seit dem 12 Jhd. Überall im Reich erlassen wurden.
  • Der Erlass von 1516 regelte die Bierqualität. Das ist ein sehr beliebter Mythos. Tatsächlich ging es um ein Verbot von Weizen, der fürs Brot gebraucht wurde, und um Geld. Um Geld ging es bei praktisch jedem Erlass zum Thema Bier.
  • Dass nur 4 Zutaten im RHG-Bier drin sind. Die Bierverordnung erlaubt eine ganze Menge, die die Konsumenten aber besser nicht wissen sollen.
  • Dass das RHG seit 500 Jahren befolgt wird. Das ist natürlich kompletter Unfug, schon 30 Jahre nach dem Erlass von 1516 durften Brauer z.B. wieder Koriander oder Kümmel ins Bier geben. Es gab so viele Kriege (wie den 30-jährigen), in denen die Brauer sicher besseres zu tun hatten, als ein Gebot zu beachten, dass sich gar nicht kannten. Richtig ernst wurde es damit erst vor ca. 100 Jahren. Und selbst danach gab es zwei Weltkriege, in denen auch Not-Biere aus anderen Zutaten gebraut wurden.
  • Dass das Reinheitsgebot schon immer so hieß. Lange Zeit wurde es gar nicht beachtet, es gab auch keinen Namen. Im 19. Jhd. nannte man es dann “Surrogatverbot”, bevor um 1918 der Name “Reinheitsgebot” erfunden wurde. Richtig verwendet wurde er erst in den 1950er Jahren für die Werbung, und dann in den 1980er Jahren in der EU als Lobbyinstrument gegen ausländisches Bier.

Keine Aromastoffe, Kirschbier, Chemie im Bier – dank dem RHG! Stimmt das?
Naja, ist halt auch relative. Milchsäure ist zugelassen, soweit sie von Malz abgeimpft wurde. Die Liste erlaubter Zusatzstoffe und Filtermittel wie PVPP (Polyvinylpolypyrrolidon) oder Kieselgele ist ziemlich lang. Offiziell müssen die meisten wieder komplett entfernt werden, aber der Zusatz “Bis auf technisch unvermeidbare Rückstände” kommt ja nicht von ungefähr.

Wie stehst Du persönlich zum RHG? Hast Du Kritik daran?
Ich halte das Reinheitsgebot in der Form, wie die Brauerbünde es halten (Sowohl als Vision wie auch in der Praxis) für überholt, veraltet, und, vor allem, für unehrlich und heuchlerisch.

Hat/Hatte das RHG auch Vorteile?
Derzeit bringt es nur den großen Brauern Vorteile, die nicht weiter denken wollen.
Und den Kleineren, die eine treue, aber denkfaule Stammkundschaft haben.

Ist das RHG nicht ein wichtiger Markenwert?
Ganz sicher, und deswegen sträuben sich die Brauerbünde ja auch so gegen Änderungen.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Die Lobby ist stark, und jahrzehntelange “Gehirnwäsche” der Bierkonsumenten führt dazu, dass kaum einer weiss, was das RHG tatsächlich aussagt, es aber 95 % unbedingt behalten wollen. Das ist sehr paradox.

Wer ist die ‚Brauindustrie’, warum hält diese am RHG fest, und warum ist sie so mächtig?
Die Bierbranche ist sehr konservativ. Man wehrt sich gegen Änderungen. Und hat bestimmt Angst, sich einzugestehen, dass man vielleicht falsch lag mit dem jahrzehntelangen Mißbrauch des RHG als reines Lobbyinstrument. Der deutsche Biermarkt ist seit Jahren rückläufig. Mit Monotonie auf technisch hohem Niveau. Trotz oder wegen des RHG?

Sollte man etwas am RHG ändern? Was sollte man ändern?
Ich würde mir ein neues, ehrliches RHG wünschen, im Sinne eines “Natürlichkeitsgebots”, mit Einschluß aller Gewürze, Kräuter, Obst etc. in natürlicher Form, genetisch nicht manipuliert und nicht mit Zusätzen zwischenbehandelt.

Wer kann das RHG ändern?
Letzten Endes die Brauerbünde. Oder, wenn sie es nicht kapieren, eines Tages der Europäische Gerichtshof, wenn ein Brauer endlich mal Geld in die Hand nehmen und dagegen klagen würde. Nach dem Motto: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dann ware das RHG aber zur Gänze weg, und mit ihm auch die Chance auf ein modernes Natürlichkeitsgebot. Und das wäre wiederum sehr schade.

Was hat der Verbraucher von einer Änderung?
Durch Einsetzung eines neuen Natürlichkeitsgebots würden sich den deutschen Brauern in Zukunft großartige neue Marktchancen bieten, die in drei Richtungen zielen:

  1. Massenbiere aus den Großbrauereien, mit Reis oder Maiszusatz, immer noch sauber gebraut, aber preiswerter.
  2. Biere nach „altem“ Reinheitsgebot hätten immer noch ihren Markt, wären aber wertvoller, da sie sich mehr an die Bier-Liebhaber wenden. Diese Biere könnten teurer verkauft werden und den Brauereien mehr Rendite bringen.
  3. Neuer Markt der „Kreativbiere“: Fruchtbiere, Gewürzbiere, oder mal ein Hanfbier? Erlaubt ist, was gefällt!

Die Verbraucher hätten eine neue, nie zuvor da gewesene Auswahl aller Sorten und Preise. Und das Reinheitsgebot eine neue Wertigkeit!

Vielen lieben Dank Günther für das Interview und deine Antworten!

Mehr Informationen zu Günther und seinem neusten Buch ‚So braut Deutschland‘ gibt es nächste Woche auf HopfenLiebe.

 

Bild: Günther Thömmes

Interview mit Niklas Zötler zum Reinheitsgebot

Die Privatbrauerei Zötler aus Rettenberg im schönen Allgäu ist die älteste Familienbrauerei der Welt. Seit 1447 wird in bei Zötler Bier gebraut, also schon lang bevor 1516 das Reinheitsgebot erlassen wurde. Wie also steht die Brauerei Zötler zum Reinheitsgebot? HopfenLiebe hat mit Niklas Zötler, dem Juniorchef der Brauerei, gesprochen.

Hallo Niklas, wie erklärest Du das Reinheitsgebot in eigenen Worten?
Das RHG stellt sicher, dass für die Bierherstellung ausschließlich die Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe eingesetzt werden. Wobei das eigentliche RHG von 1516 die Hefe noch nicht beinhaltet, da man gar nicht wusste, wie die Gärung vonstattengeht. Wir brauen heute nach dem vorläufigen Biersteuergestz.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Ja und Nein. Das RHG stellt zum einen sicher, dass Bier nur aus den vier obengenannten Rohstoffen hergestellt werden kann. Dadurch ist z.B. sichergestellt, dass kein deutsches Bier mit Reis oder Mais gebraut wird, was den Einsatz technischer Enzyme voraussetzen würde. Für mich ist das schon ein Zeichen für bessere Bierqualität. Allerdings bedeutet es nicht, dass jedes Bier innerhalb des RHG geschmacklich gut ist oder besser schmeckt als andere Biere.

Meines Erachtens unbestritten ist jedoch, dass deutsches Bier weltweit seinen guten Ruf dem RHG zu verdanken hat und deswegen ärgert es mich, dass viele Craftbier-Brauer und –Trinker dieses Gebot mit Füßen treten.

Die Entwicklung des deutschen Bieres in den letzten 100 Jahren ist weltweit einzigartig, auch wenn die Vielfalt sich in den letzten Jahrzehnten stark verkleinert hat, da viele Brauer versucht haben ihre Biere massentauglich zu machen und dadurch viele Biere Charakter verloren haben.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Jedes Gebot beschränkt in gewisser Weise die Vielfalt, weil es Regeln aufstellt, die man einzuhalten hat. Die Frage müsste richtigerweise folgende sein: Reicht die Biervielfalt, die wir innerhalb des RHG abbilden können aus oder nicht? Wir können in Bayern zwar kein Bier auf den Markt bringen, das mit anderen natürlichen Rohstoffen, wie Gewürzen, Kürbis, Himbeeren etc. gebraut wurde, aber Pale Ale, IPA, Stout, Porter, Sauerbiere, holzfassgelagerte Biere, spontanvergorene Biere, Rauchbiere, bilden ja schon eine tolle Sortimentserweiterung zu unseren klassischen deutschen Bierstilen.

Und die Kreativität der Brauer wird dadurch eher angeregt und ist bei weitem noch nicht erschöpft! Viele Craftbrauer die gegen das RHG Stimmung machen, sollten sich auch mal fragen, ob sie denn kreativ genug die Möglichkeiten der unzähligen Hefestämme, Malz- und Hopfensorten ausgeschöpft haben.

Mich stört diese Diskussion bzw. die Art wie sie geführt wird, da viele der Konsumenten, die eine Abschaffung des RHG fordern gar nicht wissen, was das für uns deutsche Brauer eigentlich bedeutet. Eine komplette Abschaffung des RHG würde nur dazu führen, dass gerade die Industriebrauereien noch viel günstiger produzieren könnten und der Preiskampf im Markt sich noch weiter verschlimmert.

Wie stehst Du persönlich zum RHG?
Ich betrachte das RHG schon kritisch und finde auch, dass es der aktuellen Entwicklung im Biermarkt angepasst werden sollte, indem man die Verwendung anderer natürlicher Rohstoffe, wie Früchte und Gewürze, zulassen sollte. Daher bin ich für eine Anpassung, aber keinesfalls für eine Abschaffung! Zudem sollten Zusätze wie PVPP (Stabilisierungsmittel) genauso verboten werden, was wohl aber ein Wunschtraum bleiben wird, dank der Macht der Großbrauereien.

Ist das RHG noch zeitgemäß?
Meines Erachtens ist der Grundgedanke (ausschließliche Verwendung natürlicher Rohstoffe) zeitgemäßer denn je. Die Lebensmittelskandale in den letzten Jahren zeigen doch, dass speziell die Lebensmittelindustrie im Kampf um ständiges Wachstum und mit fortschrittlicher Technologie immer erfindungsreicher wird, natürlich Inhaltsstoffe durch künstliche zu ersetzen. Ich will keinen Analogkäse auf meiner Pizza oder Erdbeeraroma, das von Bakterien erzeugt wird, in meinem Joghurt. Und ich will auch nicht jedes Mal die Inhaltsangaben der Lebensmittel studieren müssen.

Ehrliche Produkte, die uns nicht irgendwas vortäuschen sollten eigentlich Standard sein.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Weil wir Brauer und unsere Verbände dafür gekämpft haben und es auch keinen nachvollziehbaren Grund gibt, das RHG abzuschaffen. Anpassung ja, Abschaffung auf keinen Fall!

Vielen lieben Dank Niklas für das Interview!

Interview mit der Berg Brauerei aus Ehingen zum Reinheitsgebot

Die Berg Brauerei aus Ehingen hat zum Tag des Bieres die Nacht der offenen Brauerei. Dabei steht der Tag des Bieres natürlich ganz im Zeichen des Reinheitsgebots von 1516. Doch wie steht die Berg Brauerei zum Reinheitsgebot? HopfenLiebe hat in Ehingen nachgefragt.

Wie erklären Sie das Reinheitsgebot in eigenen Worten?
Das RHG stellt uns die Leitplanken des Bierbrauens, innerhalb denen wir uns frei bewegen können, und hält uns immer auf einer guten und hochwertigen Fahrbahn.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Sicherlich setzt das Reinheitsgebot eine sehr hohe Messlatte für diese Punkte. Es sichert die Qualität, lässt sehr viel Raum für Geschmacks- und Sortenvielfalt und sichert eine Braukultur und –tradition seit 500 Jahren.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Das Reinheitsgebot gibt die Leitplanken vor in der sich der Brauer frei bewegen kann. Durch die Aromen- und Geschmacksvielfalt der „nur“ vier Rohstoffe hat der Brauer genügen Spielraum und Kombinationsmöglichkeiten um charaktervolle Biere die anders schmecken und anders riechen als die Norm, oder sogar in eine oder mehrere Richtungen extrem schmecken, zu brauen.

Wie stehen Sie persönlich zum RHG?
Wir brauen 8 ganzjährige und 5 saisonale Bier nach dem Reinheitsgebot. Auch kleine Sude, wie hopfengestopfter Weizen-Bock melon, Fruchtstout und Festbiere brauen wir nach dem Reinheitsgebot und erzielen durch den Einsatz von Malz, Hopfen und Hefe den besonderen, extremen Geschmack dieser Biere. Wir pflegen diese Brauerfahrung und –tradition des Reinheitgebots.

Haben Sie Kritik daran?
Nein, in keinerlei Weise.

Ist das RHG noch zeitgemäß?
Heute ist es wahrscheinlich aktueller den je, indem es höchste Bierqualität garantiert und einen willkürlichen Einsatz von Rohstoffen verhindert.

Hat/Hatte es Vorteile?
Es signalisiert dem Verbraucher einen Qualitätsstandard und Sicherheit, auf die er sich verlassen kann. Wir sind der Meinung, dass dies ein einzigartiger Vorteil des Reinheitsgebots ist.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Weil es dem Verbraucher Sicherheit gibt und des Brauers Kreativität fördert.

Sollte man etwas daran ändern? Was sollte man ändern? Wie kann man das ändern?
Nein eine Änderung oder gar Lockerung des Reinheitsgebots ist nicht anzustreben.

Vielen Dank für die Antworten!

Jeff Maisel von Maisel & Friends zum Reinheitsgebot

Jeff Maisel, Brauereichef der Brauerei Gebr. Maisel in Bayreuth und kreative Kopf hinter Maisel & Friends, braut traditionelle und neue Bierstiele. Grund genug bei ihm mal nachzufragen wie er zum Reinheitsgebot steht, welche Kritik er daran hat und ob es etwas zu verbessern gäbe. Hier seine ausführliche Antwort:

„Wir sind pro Reinheitsgebot, aber…“

Seit 500 Jahren ist das Reinheitsgebot Garant für die außerordentliche Qualität deutscher Biere und die Verbraucher verlassen sich zurecht darauf. Wir halten das Reinheitsgebot daher für unbedingt schützenswert. Seit Generationen beweisen deutsche Brauer, dass sich mit nur vier Zutaten vielfältige, geschmackvolle und außergewöhnliche Biere brauen lassen.

Allerdings sind für einige traditionelle, internationale Bierstile und moderne Rezepturen Zutaten wie beispielsweise Koriander und Orangenschalen erforderlich, die aufgrund des besonders strengen Reinheitsgebotes in Bayern nicht verwendet werden dürfen. Dass Bierliebhaber solche Spezialitäten genießen und bayerische Brauer diese kreieren möchten, verstehen wir voll und ganz – auch wir würden das gerne tun.

Zuvor muss allerdings gewährleistet sein, dass auch diese Spezialitäten einer rechtsverbindlichen Grundlage bzw. einem „Reinheitskodex“ unterliegen, damit ausschließlich reine, natürliche Zutaten verwendet werden. Ohne eine solche Regelung kann nicht verhindert werden, dass auch künstliche Aromen, Enzyme oder Konservierungsstoffe ihren Weg ins Getränk finden – diese haben unserer Meinung nach darin nichts verloren.

Wir haben die Initiative ergriffen und eine Arbeitsgruppe mit Brauerkollegen, Verbänden und Behörden gegründet. Unser gemeinsames Ziel ist, das Bayerische Reinheitsgebot zu bewahren. Gleichzeitig möchten wir einen verbindlichen Rahmen für die Bierstile schaffen, zu deren Herstellung vom bayerischen Reinheitsgebot nicht zugelassene, natürliche Zutaten unerlässlich sind.

Vielen Dank Jeff für dein Statement!

Fragen an den Braumeister des Tegernseer Brauhaus anlässlich 500 Jahre Reinheitsgebot

Das Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee ist weit bekannt, am meisten wohl für das Tegernseer Hell, eines der besten ‘Hellen’ weltweit. Dabei blickt die kleine Brauerei auf eine lange Geschichte zurück: Nachweislich seit 1803 gibt es das Königliche Brauhaus Tegernsee. Jedoch geht man allerdings davon aus, dass schon mit der Klostergründung auch die Brautätigkeit begann (wenn auch nur für den klösterlichen Eigenbedarf). Sicher ist, dass zum Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes im Jahre 1516, am Ostufer des Tegernsees bereits 500 Jahre lang Bier gebraut wurde.

Neben dem Tegernseer Hell gibt es noch weitere untergärige Biere im Sortiment: Tegernseer Spezial, Tegernseer Dunkel, Tegernseer Pils, Tegernseer Leichtbier. Zusätzlich wird noch das 1806 König I Max Joseph, sowie saisonal beschränkt die Bockbierspezialitäten Blauer Page und Quirinus dunkler Doppelbock gebraut.

HopfenLiebe hat dem Braumeister des Tegernseer Brauhaus anlässlich des 500 jährigen Jubiläums des Reinheitsgebots ein paar Fragen gestellt.

500 Jahre Reinheitsgebot. Was bedeutet das für Sie?
Das Reinheitsgebot ist das älteste noch unverändert gültige Verbraucherschutzgesetz der Welt. Es steht für Transparenz, Natürlichkeit, Klarheit und Reinheit. Für mich persönlich ist es ein unumgängliches Gesetz und der Leitfaden für die Herstellung des natürlichen Qualitätsproduktes „Tegernseer Bier“

Ist ein 500 Jahre altes Gebot überhaupt noch zeitgemäß?
Selbstverständlich werden Biere heute nicht mehr gebraut wie vor 500 Jahren. Bier wird heute unter höchsten hygienischen Standards und mit Hilfe moderner Anlagentechnik hergestellt. Aber das Bierbrauen bleibt nach wie vor auf die Verwendung der vier natürlichen Rohstoffe beschränkt: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Ist das Reinheitsgebot heute eher ein Wettbewerbsvorteil im Sinne eines

Qualitätssiegels oder eher ein Hemmschuh?
Für die gewinnorientierte Konzernbrauerei, wird es wohl eher ein Hemmschuh sein. Im HTB brauen wir nach dem bayerischen Reinheitsgebot, das Beste und sicherste Qualitätssiegel das es in der Lebensmittelbranche gibt.

Würden Sie etwas anders machen, wenn es das Reinheitsgebot nicht gäbe? Wenn ja, was?
Nein – um ein gutes Bier herzustellen brauche ich nur die vier zugelassenen Rohstoffe, ein ausgeprägtes Produktgefühl und handwerkliches Geschick.

Wie groß ist der Spielraum innerhalb der Vorgaben? Nutzen Sie diesen aus? Wenn ja, wie?
Das Reinheitsgebot lässt keinen Spielraum zu und das ist auch gut so! Wenn die bayerische Brauwirtschaft bis jetzt von Lebensmittelskandalen verschont blieb, dann liegt das auch daran, dass die verwendeten Rohstoffe einer kontinuierlichen und umfassenden Rückstands- und Schadstoffkontrolle unterliegen.

Welches Ihrer Biere ist bei den Kunden am beliebtesten? Und welches ist Ihr Lieblingsbier?
Unsere Absatzzahlen lassen den Rückschluss zu, dass unser Tegernseer Hell sehr begehrt bei der Kundschaft ist. Ich persönlich trinke es auch am liebsten.

Gibt es bei Ihnen etwas speziell zum Jubiläumsjahr?
HTB ist eine Brauerei im herzoglichen Besitz und wird traditionell und qualitäts-orientiert geführt und betrieben. Bei uns gibt es auch im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes nur gutes „Tegernseer Bier“.

Vielen Dank für das Interview!

 

Besucher Info
Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee
Schlossplatz 1
83684 Tegernsee

Interview mit Malte Tack von der Vulkan Brauerei zum Reinheitsgebot

Über die Vulkan Brauerei in Mendig hatte HopfenLiebe schon das ein oder andere Mal berichtet. Anlässlich des 500 jährigen Jubiläum des Reinheitsgebot haben wir bei Malte Tack, dem Brauereichef der Vulkan Brauerei mal nachgefragt ob er nicht Lust auf ein kleines Interview zum Thema hat.

Hallo Malte, beschreibe das Reinheitsgebot (RHG) doch bitte erstmal kurz in eigenen Worten.
Das RHG schützt die Reinheit deutscher Biere vor Fusch, Punscherei und Lebensmittelskandalen.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Das RHG ist der Maßstab für die Gattung deutscher Biere, niemand muss hinterfragen was drin ist.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Einschränkungen gibt es keine und wenn muss man dem Kind eben einen anderen Namen geben, aber nicht Bier.

Wie stehst Du also persönlich zum RHG?
Ich stehe sehr positiv zum RHG.

Hast Du auch Kritik am RHG?
Kritik habe ich nur an Brauern die keine 5 Jahre im Biermarkt sind, Biere brauen die <1% Marktanteil ausmachen und den Anspruch erheben von heut auf morgen das RHG zu kippen. Es scheint teilweise eine eigene Vermarktung zu sein sich durch Diskussionen gegen das RHG groß zu machen.

Ist das RHG also noch zeitgemäß?
Gerade heute wird es immer zeitgemäßer, kein Gesetz sorgt für eine höhere Transparenz bei Lebensmitteln und die Bedeutung von Transparenz ist in der heutigen Zeit viel wichtiger als jemals zuvor.

Welche weiteren Vorteile siehst Du darin?
Neben der Transparenz hat es den Vorteil, dass Groß- und Kleinbrauereien mit den gleichen „Waffen“ kämpfen und nicht die Entwicklungslabore von Wild und Döhler den Geschmack unserer Getränke erstellen.

Warum gibt es das RHG immer noch?
Weil es sich bewährt hat. Das in Deutschland lange Zeit alle Biere sehr ähnlich waren liegt nicht am RHG, sondern daran, dass die Brauer im Rohstoffumgang nicht kreativ waren.

Sollte man etwas am RHG ändern?
Am RHG sollte man nichts ändern, sondern eine neue Gattung stricken in welcher Brauereierzeugnisse außerhalb des RHG Ihren Platz finden und einen eigenen Namen bekommen.

Vielen Dank Malte für die Antworten!

Ostalb Braumarkt am 16. April in Aalen

Alle sieben Familien-Brauereien des Ostalb-Kreises haben sich zusammengetan, um die Vielfalt des Gerstensaftes aus der Region gemeinsam zu präsentieren. In kleinen Ausschankgrößen können Besucher die unterschiedlichsten Bierspezialitäten der Region an einem Ort verkosten. Diese Möglichkeit gab es im Ostalbkreis noch nie zuvor! Der Brau-Markt findet eine Woche vor dem Tag des Bieres statt, um die Biergenießer auf das Jubiläum 500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot einzustimmen.

Diese Brauereien sind dabei:

  • Ellwanger Rotochsen Bier
  • Aalener Löwenbräu
  • Landburger
  • Heubacher
  • Lamm-Bräu Untergröningen
  • Wasseralfinger Bier
  • Wielands Bierbrauerei

Samstag, 16. April 2016
Ab 10.00 Uhr am Spritzenhausplatz in Aalen

Distelhäuser Brauerei und das Reinheitsgebot

 

Auch bei der Distelhäuser Brauerei in Tauberbischofsheim wird dieses Jahr zum Tag des Bieres und dem 500 jährigen Jubiläum des Reinheitsgebotes gefeiert. Dazu wird es neben einer Veranstaltung unter dem Motto „Wissenswertes rund ums Bier“ ein ganz besonderes Bier geben, den Distelhäuser Jubiläumshopfen. Wie die Brauerei zum Reinheitsgebot steht und warum dies nach 500 Jahren immer noch seine Relevanz hat, erfuhren wir in einem Interview mit Distelhäuser.

Für alle, die mehr zum Thema Reinheitsgebot und Bier erfahren möchten, öffnet die Distelhäuser Brauerei am Sonntag,  24. April 2016 von 11 bis 18 Uhr ihre Pforten. Dieser Tag steht in Distelhausen ganz unter dem Motto „Wissenswertes rund ums Bier“! Die Brauer von Distelhäuser erläutern die wichtigsten Stationen in der Bierherstellung und zeigen, wie aus Hopfen, Malz und Wasser ein frisches Distelhäuser Bier gebraut wird. Doch es bleibt nicht nur bei der Theorie: Besucher können sich auf das „zwickeln“ im Lagerkeller sowie das probieren der Distelhäuser Spezialitäten im Craftbier-Bereich freuen. Zusätzlich kann man in der Brauwerkstatt den Brauern beim Bierbrauen zuschauen. Und ganz besonders Wissbegierige können das Distelhäuser Bierkennerdiplom erwerben.
Auch für musikalische Unterhaltung und leibliches Wohl ist an diesem Tag im Biergarten im Brauereihof gesorgt. Das beste: Der Eintritt ist frei.

distelhaeuser-Jubiläumshopfen

Doch Bier und die Brauerei erleben ist nicht das Einzige was Distelhäuser zu bieten hat. Zum 500 jährigen Geburtstag des deutschen Reinheitsgebotes hat die Distelhäuser Brauerei ein ganz besonderes Bier eingebraut: Den „Distelhäuser Jubiläumshopfen“. In diesem naturtrüben, kalt gehopften Pils vereinen die Distelhäuser Brauer im Sudhaus die Hopfensorten Perle, Smaragd, Tettnanger, Saphir, Nordbrauer und Centennial zu einem ‚einzigartigen Geschmackserlebnis’. Später bei der Kalthopfung erfolgt eine zweite Hopfengabe mit den Hopfensorten Cascade und Citra. Das Ergebnis soll ein fruchtig-spritziges Pils, das dem Reinheitsgebot alle Ehre macht. Das Bier wurde nur in begrenzter Menge eingebraut und hat eine Stammwürze von 12,5 % und einen Alkoholgehalt von 5,2 %.

Besonders spannend ist die Distelhäuser Brauwerkstatt: in einem original Sudhaus im Maßstab 1:100 experimentieren die Braumeister mit ursprünglichen Getreiden, neuen Hopfensorten sowie verschiedenen Hefestämmen und interpretieren historische Bierrezepturen neu. Mit großer Leidenschaft und Kunstfertigkeit kreieren die Bierhandwerker aus dem Taubertal in der Versuchsbrauerei innovative und geschmacksintensive Biere mit eigenem Charakter, die sich geschmacklich deutlich von der Masse abheben und sich auch nicht in die gängigen Sorten einordnen lassen.

Doch nun zum Reinheitsgebot. Wir wollten Wissen was dieses sogenannte ‚älteste Lebensmittelgesetz der Welt’ eigentlich für Distelhäuser bedeutet:

Das Reinheitsgebot zeigt, wie aus nur 4 Zutaten eine enorme Vielfalt an Bieren gebraut werden kann.

Ist es dabei ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Das 500 Jahre alte Reinheitsgebot ist ein Maßstab für Bierkultur und Biervielfalt, da außer den 4 Zutaten nichts ins Bier kommt, aber hunderte von verschiedenen Sorten gebraut werden.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Wenn man sieht, dass im Rahmen des Reinheitsgebotes hunderte von verschiedenen Sorten gebraut werden, so kann nicht von Einschränkung gesprochen werden.

Wie stehen Sie persönlich zum RHG?
Das Reinheitsgebot gibt dem Verbraucher Sicherheit und ist ein Qualitätssiegel. Daran sollte nicht gerüttelt werden.

Haben Sie Kritik daran?
Hier und da sind Anpassungen nötig, wie beispielsweise dass Weizen oder Dinkelbiere nur obergärig gebraut werden dürfen.

Hat/Hatte es Vorteile?
Im Mittelalter hatte das Reinheitsgebot auf jeden Fall seine Vorteile, da Wasser oftmals verseucht war und man lieber einen Krug Bier als einen Krug Wasser getrunken hat.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Weil das Reinheitsgebot nach wie vor Sicherheit gibt.

Vielen Dank für das Interview!

Meckatzer Löwenbräu, Brauereifest und das Reinheitsgebot

Vom 22.2bis 4. April 2016 heisst es bei Meckatzer Löwenbräu wieder: Frühlingsfest! Dieses Jahr gibt es gleich zwei Anlässe die Brauereitore für alle Bierfreunde zu öffnen: 500 Jahre Reinheitsgebot und 20 Jahre Meckatzer FANCLUB.

Neben gutem Bier gibt es beim Fest auch jede Menge zünftige Musik u.a. mit den Albkracher und dem Hartmann-Trio. Das volle Programm kann man hier anschauen und downloaden.

Zum Jubiläum des Reinheitsgebots haben wir bei Meckater Löwenbräu im Allgäu mal nachgefragt was es mit diesem vermeintlich ältesten Lebensmittelgesetz auf sich hat und wie die Meckatzer Brauerei dazu seht:

„Alle Meckatzer Biere werden streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut und somit den Anforderungen, die das strengste Lebensmittelgesetz der Welt stellt, gerecht. Für die Meckatzer Braumeister stellt das Reinheitsgebot aber lediglich die Basis dar, zu der viele weitere, bis in kleinste Details definierte und selbst auferlegte Qualitätsgebote kommen, die weit über den Mindeststandard hinausgehen und letztlich im „Meckatzer Reinheitsgebot“ münden.

So werden für alle Biere sorgfältig ausgesuchte Malze und Aromahopfensorten aus kontrolliert-integriertem Anbau in Oberschwaben bzw. Tettnang eingesetzt. Für das Meckatzer Weiss-Gold haben die Braumeister die kaum noch erhältliche Gerstensorte Steffi ausgesucht, kompromisslos werden zeitaufwändige Verfahren wie das Zweimaischverfahren, die Heißwürzefiltration (als einzige Brauerei in Deutschland) sowie die kalte und lange Reifung eingesetzt.

Das sehr bekömmliche Bier lässt sich aufgrund seines Geschmackscharakters keiner Sorte unterordnen, ist durch und durch ausgewogen und deshalb bei vielen Bierliebhabern sehr angesehen. Bereits 1905 beantragte Benedikt Weiß, der Großvater von Michael Weiß, beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin Markenschutz und somit ist Weiss-Gold die älteste Allgäuer Biermarke überhaupt. Die Weizenbierkompetenz des Unternehmens geht bis ins Jahr 1925 zurück: seit dieser Zeit werden in Meckatz in der Flasche vergorene Weizenbiere hergestellt, die aufgrund einer Komposition ausgesuchter Malz- und Hopfensorten und der Verwendung der in der eigenen Reinzuchtanlage gewonnenen Hefe durch ihren leicht fruchtigen und sortentypischen Geschmack begeistern. Seit 2016 hat die Brauerei auch ein alkoholfreies Weizen im Sortiment: Dank eines besonders aufwändigen Herstellungsverfahrens ‒ eine Cuvée, komponiert aus drei perfekt miteinander abgestimmten Suden ‒ ist es ein Bier, das es so in seiner Ausgewogenheit und Vollmundigkeit noch nicht gibt.“

Anfahrt:
Meckatzer Löwenbräu
Meckatz 10
88178 Heimenkirch

 

Sonderbriefmarke zum 500-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebotes

Am 23. April ist der Tage des Bieres und genau an diesem Tag sollen vor 500 Jahren die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt das Bayerische Reinheitsgebot erlassen haben mit dem vorgeschrieben wurde, dass Bier ausschließlich mit Wasser, Hopfen und Gerste gebraut werden darf.

Neben vielen anderen Feierlichkeiten zu diesem 500 Jährigen Jubiläum, hat das Bundesfinanzministerium eine 45-Cent-Sonderbriefmarke herausgegeben. Dieses limitierte Sonderpostwertzeichen wurde im Ingolstädter Rathaus offiziell vorgestellt und ist seit dem 7. April erhältlich.

Der Geburtstag des Reinheitsgebotes sei für die Brauerinnen und Brauer „ein Ansporn, sich nicht auf einer 500 Jahre alten Urkunde auszuruhen, sondern unsere weltbekannte Bierkultur jeden Tag aufs Neue mit Leben zu füllen“, so Dr. Hans-Georg Eils, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes. Die neue Sonderbriefmarke nannte Eils „einen künstlerischen Höhepunkt des Jubiläumsjahres“, das von zahlreichen Ausstellungen, Wettbewerben, Festivals, Büchern und Sondersendungen zum Thema Bierkultur begleitet wird. Offizieller Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Jubiläum des Reinheitsgebotes ist ein Festakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer am 22. April in Ingolstadt.

Quelle: Deutscher Brauer-Bund