Interview zum Neubaugebiet Bierfestival in Metzingen

Wir haben mit Daniel Bürker von der Eventagentur solutioncube (und vom Uracher Kleinbrauhaus) über das Neubraugebiet Craft Bier Festival am kommenden Wochenende in Metzingen gesprochen.

Hallo Daniel, was genau ist das NEUBRAUGEBIET?
Das Neubraugebiet-Festival ist eine Veranstaltung für verantwortungsvollen Genuss – Ziel ist es, ein Bewusstsein für die Vielfalt und das traditionelle Handwerk des Bieres zu schaffen und Biere jenseits von industriell gefertigter Massenware zu entdecken und zu genießen. Freunde des guten Geschmacks werden voll auf ihre Kosten kommen. Neben spannenden Bier-Tastings, kulinarischen Köstlichkeiten und musikalischen Highlights macht der industrielle Backstein-Charme des Henning-Areals dieses Genuss-Festival zu einem aufregend anderen Erlebnis. Man darf gespannt sein, was einen so alles erwartet und von uns aus ein “Herzliches Willkommen“ beim neuen Craft Beer- und Foodtruck-Festival 2016!

Wer steht hinter der Veranstaltung?
Wir das Team von der solutioncube GmbH aus Reutlingen. Die Agentur für Design & Event von Andrea Burk und Stephan Allgöwer ist in der Region Neckar-Alb bekannt durch die bei Besuchern hoch geschätzten Regionalmessen “schön&gut” und “GardenLife” sowie der Organisation weitere Fachmessen & Veranstaltungen. Dabei soll gerade bei den Regionalmessen neben dem jeweiligenThemenschwerpunkt der Fokus auf Qualität und Vielfalt gerichtet sein. Hier schließt sich auch der Kreis zum Bier.

Wie kam es dazu dass ihr ein Bierevent organisiert?
Im Herbst 2015 gab es im Rahmen der „schön&gut” einen ersten Austausch zwischen dem Event-Team von solutioncube und den beiden Brüdern vom Uracher Kleinbrauhaus die damals als Aussteller-Neulinge zum ersten mal mit dabei waren. Der Vorschlag ein Craft Beer Event zu realisieren kam da zum ersten Mal auf den Tisch. Als das Jahr 2016 noch ganz jung war haben die beiden uns nochmals eine mögliche Konzeption skizziert und unser Interesse endgültig geweckt – jetzt stehen wir eine Woche vor dem Neubraugebiet und freuen uns auf die erste Auflage dieser neuen Veranstaltungsserie!

Wie wurden die Brauereien ausgewählt?
Die ersten Kontakte erfolgten durch mündliche Vorankündigungen, denn die Details konnten wir ja selbst auch erst im Lauf des Frühjahres nach und nach klären. Es wurden viele Brauereien aus der Region und der Craft Beer Szene meist über persönliche Kontakte eingeladen. Jedoch bestätigte sich bald unsere Befürchtung, dass wir für die Terminplanung der Brauereien spät dran waren. Auch sind uns ein paar durch die Finger geglitten. Wir mussten viele Absagen hinnehmen. Dennoch das endgültige Teilnehmer-Feld kann sich sehen lassen und muss sich nicht verstecken! Wir gehen im ersten Jahr nun als überegionales-Schaufenster an den Start schon mit ersten internationalen Impulsen. In den nächsten Jahren soll dann durch neue Brauereien – gerade aus dem Ausland – das Angebot weiterhin vielfältig und abwechslungsreich gestaltet werden.

Auf was kann sich der Besucher freuen?
Wir haben einen schönen Querschnitt durch das Brauhandwerk! Es ist kein Hopfengestopftes Feuerwerk mit I.P.A. und Pale Ales an jedem Stand sondern insbesondere die regionalen Familien-Brauereien mit Ihren traditionell handwerklich gebrauten Bieren werden den Besuchern einen vertrauten Einstieg ermöglichen. Für Craft Beer Freunde haben wir natürlich als Highlight Brauereien wie die Kraftbierwerkstatt aus Böblingen und Bierol aus Österreich. Dazu haben wir dank besonderer Kontakte eine schöne Auswahl an polnischen Brauereien an den Start gebracht.

Natürlich darf man das leckere Streetfood unserer Foodtrucks nicht vergessen, abgerundet mit Süßspeisen und Kaffee. Auch das Rahmenprogramm ist ein Besuch wert! Mit Live Musik, DJ und spannenden Vorträgen bieten wir jedem einen besonderen und erlebnisreichen Tag.

Gibt es besondere Biere die ausgeschenkt werden?
Jedes Bier das bei uns ausgeschenkt wird ist auf seine Art besonders. Mit viel Liebe wurde es kreiert. Das ist ja das eigentlich tolle an unserem Genuss-Festival: Jeder kann nach seinem Geschmack auf sein persönliches Highlight stoßen – Geschmack ist so vielfältig wie das Bier! Da sagen wir auch nicht, welches Bier jetzt nach unserer Meinung etwas besonderes ist, wäre ja wieder ein subjektiver Eindruck. Jeder darf hier selbst auf eine spannende Entdeckungsreise gehen!

Was ist alles im Eintritt enthalten?
Vieles, wie bereits vorhin erwähnt! Wir haben mit dem Henning-Areal eine Veranstaltungsfläche mitten in der Stadt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und der B28 erschließen können. Der besondere Charme der alten Industrie-Schmiede wird unser Event einmalig machen und von anderen Veranstaltungen abheben. Das vielfältige Rahmenprogramm lädt ein sich mit speziellen Themen rund ums Bier näher auseinander zu setzen. Zuletzt haben wir mit der musikalischen Unterhaltung nicht nur eine tolle Stimmung über den Tag sondern laden zum Craft Beer Festival mit Konzert. Ein erlebnisreicher Tag ist damit garantiert.

Wieviel kosten die Biere?
Am Eingang erhält jeder Besucher eines unserer edlen Tasting-Gläser (Verkostergläser) gegen eine Pfandgebühr von € 5,–. Der Preis pro Bier (0,1l) liegt bei € 1,– (je nach Brauerei sind abweichende Preise möglich). Zwischen den einzelnen Tastings kann der Besucher sein Tasting-Glas ausspülen oder an der Gläserausgabe austauschen lassen.

Euer persönliches Highlight beim NEUBRAUGEBIET?
Die vielen glücklichen Gesichter unserer Besucher – darauf freuen wir uns am meisten!

Besucher Infos:

Don’t Drink and Drive
Es gibt zahlreiche ÖPNV Verbindungen. Mehr Infos dazu gibt es auf der Website des Bierfestivals.

Interview mit Günther Thömmes zum Buch ‘So braut Deutschland’

Das neue Buch von Bierbuchautor und Diplom-Braumeister Günther Thömmes ‘So braut Deutschland’ erfreut sich großer Beliebtheit. An anderer Stelle haben wir das Buch schon ausführlich vorgestellt und beschrieben. Doch wie ist es eigentlich entstanden und was war die Motivation dazu? Diese und weitere Fragen haben wir Günther Thömmes gestellt.

Hallo Günther, Dein neustes Buch ist ‘So braut Deutschland’. Wie beschreibst Du dein Buch selbst in ein oder zwei Sätzen?
Es ist ein Reiseführer-Lesebuch, das einen schönen Querschnitt durch Deutschlands Brauereien bietet. Abseits von Fernsehbier und Braukonzernen.

Bevor wir etwas tiefer ins Buch gehen, stell dich doch bitte kurz selbst vor.
Ich bin Jahrgang 1963 und stamme aus Bitburg in der Eifel. Dort habe ich in den 80er Jahren eine Ausbildung als Brauer und Mälzer gemacht – danach ein Studium zum Diplom-Braumeister in Freising-Weihenstephan. Nach über 20 Jahren als Weltreisender in Sachen Bier und Brauereien (Brauereiplanung/Zulieferindustrie), hab ich mich 2010 mit der kleinen Erlebnisbrauerei „Bierzauberei“ in Brunn am Gebirge, am Rand des schönen Wienerwalds, selbstständig gemacht. In der bereits im gleichen Jahr als „Kleinbrauerei des Jahres“ ausgezeichneten Bierzauberei habe ich dann einige Jahre lang obergärige Bierspezialitäten, aber auch gelegentlich historische, ausgestorbene Biersorten gebraut. Ende 2013 habe ich die Braustätte geschlossen und bin dann gut 2 Jahre als Wanderbrauer unterwegs gewesen (Salzburg, Budapest, Wienerwald, Deutschland). Demnächst startet unser neues Projekt, die Kreativbrauerei „Hopfenartisten“, in Mödling bei Wien. Ich habe zahlreiche Fachartikel zu den Themen Bier, Brauhistorie und Reinheitsgebot in verschiedenen Zeitungen, Fachzeitschriften und Blogs veröffentlicht. (u.a. Spektrum der Wissenschaft, Brauwelt, Bier & Brauhaus, BierGenußPur, Zymurgy, Pub-Brewing Magazine, Mixology). 2005 ist mein amüsantes Bier-Lexikon „Jetzt gibt es kein Bier, sondern Kölsch“ erschienen, 2010 der Bildband „Die Geschichte der Brunner Brauerei 1790-1930“. 2008 war mein Debüt als Romanautor mit dem historischen Roman „Der Bierzauberer“, dem bislang zwei weitere Bierzauberer-Romane (darunter „Das Erbe des Bierzauberers“, der Roman zur Entstehung des Reinheitsgebotes), ein “bierloser” historischer Roman (Der Papstkäufer) und diverse Kurzkrimis, meist mit Bierbezug, folgten. Einer davon in der Bierkrimi-Anthologie „Malz und Totschlag“, bei der ich auch Herausgeber war. Ich lebe in der Nähe von Wien, bin verheiratet und habe einen Sohn.

Wie ist die Idee zum Buch entstanden?
Mein Verlag wollte unbedingt ein neues Buch von mir zum RHG-Jubiläum, am Liebsten einen neuen Bierzauberer-Roman. Das ging aber zeitlich nicht, und weil es im Verlag die schöne Reihe “Lieblingsplätze” gibt, habe ich vorgeschlagen, einmal nicht regional, sondern thematisch Lieblingsplätze zu besuchen und zu beschreiben.

Wie lange haben die Recherchen zum Bier gedauert und wie lief das ab?
Das ganze Projekt hat etwa ein Jahr in Anspruch genommen. Erst einmal musste ich den Rahmen abstecken, welche Brauereien generell in Frage kommen und welche nicht. Dann habe ich auf diversen Biergruppen bei Facebook rumgefragt, ob die Leute Geheimtipps haben, die reingehören. Am Ende war ein sehr lange Liste, die dann ein wenig eingedampft wurde. Dann bin ich immer, wenn ich in Deutschland unterwegs war, ein paar Brauereien entlang der Route besuchen gefahren. Mal mit Anmeldung, mal ohne. Immer so Trips von 2-4 Tagen. Einige wenige Brauereien habe ich gestrichen, weil sie mir nicht gefallen haben oder für Besucher völlig ungeeignet sind. Aber am Ende hatte ich eine tolle Liste, und dazu noch drei sehr gute, bierversierte Gastautoren (Claudia Steinert, Norbert Krines und Volker Quante), die mir über zwei Bierstädte (Bamberg und Düsseldorf) sowie über Braufrauen sehr schöne Gastbeiträge geliefert haben. Alles in allem bin ich über 20.000 Kilometer gefahren bei der Recherche. Ich habe dabei viel gelernt und gesehen.

Was hat Dir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht?
Bei den Romanen war es immer wieder toll, wenn gewisse Figuren irgendwann ein Eigenleben entwickeln und meinen geplanten Plot durcheinander bringen. Das ist sehr beeindruckend, wenn so etwas geschieht. Und für mich ein Signal, dass die Figuren wirklich leben. DAS macht Spaß! “So braut Deutschland” ist aber keine Fiktion, also musste ich die Sache anders angehen. Irgendwann beim Schreiben habe ich gemerkt, dass es besser geht, wenn ich zu jeder Brauerei eine Geschichte finde, und das habe ich dann durchgezogen. Besonderen Spaß hat es dann gemacht, wenn ich eine neue Brauerei entdeckt habe, wo die Geschichte förmlich auf der Hand lag. Das war dann auch immer sehr spannend.

Kannst Du dir einen ‘So braut Deutschland Teil 2’ oder ähnliches vorstellen?
Unbedingt! Deutschland hat so viele tolle Brauereien, da habe ich hier mit 66 Beschreibungen und 5 Bierstädten nur an der Oberfläche gekratzt.

Wer sollte das Buch lesen?
Jeder, der sich für Bier interessiert und gerne unterwegs ist.

Bier brauen oder über Bier beschreiben, was macht mehr Freude?
Beides zu seiner Zeit.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit deinen weiteren Projekten!

Das Buch gibt es im gut sortierten Buchhandel und online. Die ausführliche Buchbesprechung gibt es hier…

 

Buch Info:
Günther Thömmes
So braut Deutschland – Wo unser Bier entsteht
Gmeiner-Verlag GmbH
Meßkirch, 2016
ISBN 978-3-8392-1873-0
Preis: 14,99 Euro

So braut Deutschland: Wo unser Bier entsteht (Lieblingsplätze im GMEINER-Verlag)

Interview mit Günther Thömmes zum Reinheitsgebot

Wenn am 23. April 2016 das Reinheitsgebot 500 Jahre alt wird, gibt es viele Festveranstaltungen und Feiern zu diesem Anlass. Wie kleine und große Brauereien zum Reinheitsgebot stehen haben wir in den letzten Tagen schon ausführlich berichtet. Doch wie steht ein unabhängiger Wanderbrauer dazu? Wir haben mit Günther Thömmes, Braumeister (Stichwort: Bierzauberei) und bekannter Bierbuch-Autor (,So braut Deutschland’), gesprochen und gefragt was es mit diesem Reinheitsgebot eigentlich so auf sich hat.

Hallo Günther, wie erklärst Du das Reinheitsgebot in eigenen Worten?
Es gibt ja mindestens Drei: Das von 1516 ist eine nette historische Urkunde. Das heutige RHG der Brauerbünde ist eine wirklichkeitsfremde Vision, mit der sie die Konsumenten für dumm verkaufen wollen. Und das Dritte, das der Realität, hat mit den beiden anderen leider nichts zu tun.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Nein, keinesfalls. Man kann innerhalb des Reinheitsgebots richtig schlechtes, geschmackloses Bier brauen (Gibt es auch!), genau so wie man ausserhalb des RHG sehr leckere Sachen machen kann. Die Einstellung des Braumeisters zu seinem Produkt ist viel wichtiger.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Ja, definitiv. Es ist ein Totschlagargument, immer wieder auf 30 Malzsorten, 150 Hefestämme und 80 Hopfensorten zu verweisen (Die Zahlen stimmen nicht, aber in diese Richtung geht es…) und dann zu behaupten, das reiche aus für 36.000 verschiedenen Biere INNERHALB des RHG. Und das müsse ausreichen. Niemand will den RHG-Brauern ja verbieten, so zu brauen, es gibt aber halt viele Brauer, die mittlerweile mit anderen, NATÜRLICHEN Zutaten brauen wollen. Mit Obst, Kräutern, Gewürzen Gemüse. Was soll daran schlecht sein? DAS würde die Kreativität vorantreiben…

Was sind die größten Mythen und Missverständnisse rund um das RHG?
Oh, da gibt es einige:

  • Dass das RHG ein Gesetz ist. Es gibt kein Gesetz namens “Reinheitsgebot”. Offiziell heißt es “Bierverordnung”.
  • Dass das RHG ein singuläres Gesetz ist. Der Erlass von 1516 war nur ein Punkt in einer ganzen Reihe von Bierverordnungen, die seit dem 12 Jhd. Überall im Reich erlassen wurden.
  • Der Erlass von 1516 regelte die Bierqualität. Das ist ein sehr beliebter Mythos. Tatsächlich ging es um ein Verbot von Weizen, der fürs Brot gebraucht wurde, und um Geld. Um Geld ging es bei praktisch jedem Erlass zum Thema Bier.
  • Dass nur 4 Zutaten im RHG-Bier drin sind. Die Bierverordnung erlaubt eine ganze Menge, die die Konsumenten aber besser nicht wissen sollen.
  • Dass das RHG seit 500 Jahren befolgt wird. Das ist natürlich kompletter Unfug, schon 30 Jahre nach dem Erlass von 1516 durften Brauer z.B. wieder Koriander oder Kümmel ins Bier geben. Es gab so viele Kriege (wie den 30-jährigen), in denen die Brauer sicher besseres zu tun hatten, als ein Gebot zu beachten, dass sich gar nicht kannten. Richtig ernst wurde es damit erst vor ca. 100 Jahren. Und selbst danach gab es zwei Weltkriege, in denen auch Not-Biere aus anderen Zutaten gebraut wurden.
  • Dass das Reinheitsgebot schon immer so hieß. Lange Zeit wurde es gar nicht beachtet, es gab auch keinen Namen. Im 19. Jhd. nannte man es dann “Surrogatverbot”, bevor um 1918 der Name “Reinheitsgebot” erfunden wurde. Richtig verwendet wurde er erst in den 1950er Jahren für die Werbung, und dann in den 1980er Jahren in der EU als Lobbyinstrument gegen ausländisches Bier.

Keine Aromastoffe, Kirschbier, Chemie im Bier – dank dem RHG! Stimmt das?
Naja, ist halt auch relative. Milchsäure ist zugelassen, soweit sie von Malz abgeimpft wurde. Die Liste erlaubter Zusatzstoffe und Filtermittel wie PVPP (Polyvinylpolypyrrolidon) oder Kieselgele ist ziemlich lang. Offiziell müssen die meisten wieder komplett entfernt werden, aber der Zusatz “Bis auf technisch unvermeidbare Rückstände” kommt ja nicht von ungefähr.

Wie stehst Du persönlich zum RHG? Hast Du Kritik daran?
Ich halte das Reinheitsgebot in der Form, wie die Brauerbünde es halten (Sowohl als Vision wie auch in der Praxis) für überholt, veraltet, und, vor allem, für unehrlich und heuchlerisch.

Hat/Hatte das RHG auch Vorteile?
Derzeit bringt es nur den großen Brauern Vorteile, die nicht weiter denken wollen.
Und den Kleineren, die eine treue, aber denkfaule Stammkundschaft haben.

Ist das RHG nicht ein wichtiger Markenwert?
Ganz sicher, und deswegen sträuben sich die Brauerbünde ja auch so gegen Änderungen.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Die Lobby ist stark, und jahrzehntelange “Gehirnwäsche” der Bierkonsumenten führt dazu, dass kaum einer weiss, was das RHG tatsächlich aussagt, es aber 95 % unbedingt behalten wollen. Das ist sehr paradox.

Wer ist die ‚Brauindustrie’, warum hält diese am RHG fest, und warum ist sie so mächtig?
Die Bierbranche ist sehr konservativ. Man wehrt sich gegen Änderungen. Und hat bestimmt Angst, sich einzugestehen, dass man vielleicht falsch lag mit dem jahrzehntelangen Mißbrauch des RHG als reines Lobbyinstrument. Der deutsche Biermarkt ist seit Jahren rückläufig. Mit Monotonie auf technisch hohem Niveau. Trotz oder wegen des RHG?

Sollte man etwas am RHG ändern? Was sollte man ändern?
Ich würde mir ein neues, ehrliches RHG wünschen, im Sinne eines “Natürlichkeitsgebots”, mit Einschluß aller Gewürze, Kräuter, Obst etc. in natürlicher Form, genetisch nicht manipuliert und nicht mit Zusätzen zwischenbehandelt.

Wer kann das RHG ändern?
Letzten Endes die Brauerbünde. Oder, wenn sie es nicht kapieren, eines Tages der Europäische Gerichtshof, wenn ein Brauer endlich mal Geld in die Hand nehmen und dagegen klagen würde. Nach dem Motto: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dann ware das RHG aber zur Gänze weg, und mit ihm auch die Chance auf ein modernes Natürlichkeitsgebot. Und das wäre wiederum sehr schade.

Was hat der Verbraucher von einer Änderung?
Durch Einsetzung eines neuen Natürlichkeitsgebots würden sich den deutschen Brauern in Zukunft großartige neue Marktchancen bieten, die in drei Richtungen zielen:

  1. Massenbiere aus den Großbrauereien, mit Reis oder Maiszusatz, immer noch sauber gebraut, aber preiswerter.
  2. Biere nach „altem“ Reinheitsgebot hätten immer noch ihren Markt, wären aber wertvoller, da sie sich mehr an die Bier-Liebhaber wenden. Diese Biere könnten teurer verkauft werden und den Brauereien mehr Rendite bringen.
  3. Neuer Markt der „Kreativbiere“: Fruchtbiere, Gewürzbiere, oder mal ein Hanfbier? Erlaubt ist, was gefällt!

Die Verbraucher hätten eine neue, nie zuvor da gewesene Auswahl aller Sorten und Preise. Und das Reinheitsgebot eine neue Wertigkeit!

Vielen lieben Dank Günther für das Interview und deine Antworten!

Mehr Informationen zu Günther und seinem neusten Buch ‚So braut Deutschland‘ gibt es nächste Woche auf HopfenLiebe.

 

Bild: Günther Thömmes

Interview mit Niklas Zötler zum Reinheitsgebot

Die Privatbrauerei Zötler aus Rettenberg im schönen Allgäu ist die älteste Familienbrauerei der Welt. Seit 1447 wird in bei Zötler Bier gebraut, also schon lang bevor 1516 das Reinheitsgebot erlassen wurde. Wie also steht die Brauerei Zötler zum Reinheitsgebot? HopfenLiebe hat mit Niklas Zötler, dem Juniorchef der Brauerei, gesprochen.

Hallo Niklas, wie erklärest Du das Reinheitsgebot in eigenen Worten?
Das RHG stellt sicher, dass für die Bierherstellung ausschließlich die Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe eingesetzt werden. Wobei das eigentliche RHG von 1516 die Hefe noch nicht beinhaltet, da man gar nicht wusste, wie die Gärung vonstattengeht. Wir brauen heute nach dem vorläufigen Biersteuergestz.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Ja und Nein. Das RHG stellt zum einen sicher, dass Bier nur aus den vier obengenannten Rohstoffen hergestellt werden kann. Dadurch ist z.B. sichergestellt, dass kein deutsches Bier mit Reis oder Mais gebraut wird, was den Einsatz technischer Enzyme voraussetzen würde. Für mich ist das schon ein Zeichen für bessere Bierqualität. Allerdings bedeutet es nicht, dass jedes Bier innerhalb des RHG geschmacklich gut ist oder besser schmeckt als andere Biere.

Meines Erachtens unbestritten ist jedoch, dass deutsches Bier weltweit seinen guten Ruf dem RHG zu verdanken hat und deswegen ärgert es mich, dass viele Craftbier-Brauer und –Trinker dieses Gebot mit Füßen treten.

Die Entwicklung des deutschen Bieres in den letzten 100 Jahren ist weltweit einzigartig, auch wenn die Vielfalt sich in den letzten Jahrzehnten stark verkleinert hat, da viele Brauer versucht haben ihre Biere massentauglich zu machen und dadurch viele Biere Charakter verloren haben.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Jedes Gebot beschränkt in gewisser Weise die Vielfalt, weil es Regeln aufstellt, die man einzuhalten hat. Die Frage müsste richtigerweise folgende sein: Reicht die Biervielfalt, die wir innerhalb des RHG abbilden können aus oder nicht? Wir können in Bayern zwar kein Bier auf den Markt bringen, das mit anderen natürlichen Rohstoffen, wie Gewürzen, Kürbis, Himbeeren etc. gebraut wurde, aber Pale Ale, IPA, Stout, Porter, Sauerbiere, holzfassgelagerte Biere, spontanvergorene Biere, Rauchbiere, bilden ja schon eine tolle Sortimentserweiterung zu unseren klassischen deutschen Bierstilen.

Und die Kreativität der Brauer wird dadurch eher angeregt und ist bei weitem noch nicht erschöpft! Viele Craftbrauer die gegen das RHG Stimmung machen, sollten sich auch mal fragen, ob sie denn kreativ genug die Möglichkeiten der unzähligen Hefestämme, Malz- und Hopfensorten ausgeschöpft haben.

Mich stört diese Diskussion bzw. die Art wie sie geführt wird, da viele der Konsumenten, die eine Abschaffung des RHG fordern gar nicht wissen, was das für uns deutsche Brauer eigentlich bedeutet. Eine komplette Abschaffung des RHG würde nur dazu führen, dass gerade die Industriebrauereien noch viel günstiger produzieren könnten und der Preiskampf im Markt sich noch weiter verschlimmert.

Wie stehst Du persönlich zum RHG?
Ich betrachte das RHG schon kritisch und finde auch, dass es der aktuellen Entwicklung im Biermarkt angepasst werden sollte, indem man die Verwendung anderer natürlicher Rohstoffe, wie Früchte und Gewürze, zulassen sollte. Daher bin ich für eine Anpassung, aber keinesfalls für eine Abschaffung! Zudem sollten Zusätze wie PVPP (Stabilisierungsmittel) genauso verboten werden, was wohl aber ein Wunschtraum bleiben wird, dank der Macht der Großbrauereien.

Ist das RHG noch zeitgemäß?
Meines Erachtens ist der Grundgedanke (ausschließliche Verwendung natürlicher Rohstoffe) zeitgemäßer denn je. Die Lebensmittelskandale in den letzten Jahren zeigen doch, dass speziell die Lebensmittelindustrie im Kampf um ständiges Wachstum und mit fortschrittlicher Technologie immer erfindungsreicher wird, natürlich Inhaltsstoffe durch künstliche zu ersetzen. Ich will keinen Analogkäse auf meiner Pizza oder Erdbeeraroma, das von Bakterien erzeugt wird, in meinem Joghurt. Und ich will auch nicht jedes Mal die Inhaltsangaben der Lebensmittel studieren müssen.

Ehrliche Produkte, die uns nicht irgendwas vortäuschen sollten eigentlich Standard sein.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Weil wir Brauer und unsere Verbände dafür gekämpft haben und es auch keinen nachvollziehbaren Grund gibt, das RHG abzuschaffen. Anpassung ja, Abschaffung auf keinen Fall!

Vielen lieben Dank Niklas für das Interview!

Interview mit der Berg Brauerei aus Ehingen zum Reinheitsgebot

Die Berg Brauerei aus Ehingen hat zum Tag des Bieres die Nacht der offenen Brauerei. Dabei steht der Tag des Bieres natürlich ganz im Zeichen des Reinheitsgebots von 1516. Doch wie steht die Berg Brauerei zum Reinheitsgebot? HopfenLiebe hat in Ehingen nachgefragt.

Wie erklären Sie das Reinheitsgebot in eigenen Worten?
Das RHG stellt uns die Leitplanken des Bierbrauens, innerhalb denen wir uns frei bewegen können, und hält uns immer auf einer guten und hochwertigen Fahrbahn.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Sicherlich setzt das Reinheitsgebot eine sehr hohe Messlatte für diese Punkte. Es sichert die Qualität, lässt sehr viel Raum für Geschmacks- und Sortenvielfalt und sichert eine Braukultur und –tradition seit 500 Jahren.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Das Reinheitsgebot gibt die Leitplanken vor in der sich der Brauer frei bewegen kann. Durch die Aromen- und Geschmacksvielfalt der „nur“ vier Rohstoffe hat der Brauer genügen Spielraum und Kombinationsmöglichkeiten um charaktervolle Biere die anders schmecken und anders riechen als die Norm, oder sogar in eine oder mehrere Richtungen extrem schmecken, zu brauen.

Wie stehen Sie persönlich zum RHG?
Wir brauen 8 ganzjährige und 5 saisonale Bier nach dem Reinheitsgebot. Auch kleine Sude, wie hopfengestopfter Weizen-Bock melon, Fruchtstout und Festbiere brauen wir nach dem Reinheitsgebot und erzielen durch den Einsatz von Malz, Hopfen und Hefe den besonderen, extremen Geschmack dieser Biere. Wir pflegen diese Brauerfahrung und –tradition des Reinheitgebots.

Haben Sie Kritik daran?
Nein, in keinerlei Weise.

Ist das RHG noch zeitgemäß?
Heute ist es wahrscheinlich aktueller den je, indem es höchste Bierqualität garantiert und einen willkürlichen Einsatz von Rohstoffen verhindert.

Hat/Hatte es Vorteile?
Es signalisiert dem Verbraucher einen Qualitätsstandard und Sicherheit, auf die er sich verlassen kann. Wir sind der Meinung, dass dies ein einzigartiger Vorteil des Reinheitsgebots ist.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Weil es dem Verbraucher Sicherheit gibt und des Brauers Kreativität fördert.

Sollte man etwas daran ändern? Was sollte man ändern? Wie kann man das ändern?
Nein eine Änderung oder gar Lockerung des Reinheitsgebots ist nicht anzustreben.

Vielen Dank für die Antworten!

Jeff Maisel von Maisel & Friends zum Reinheitsgebot

Jeff Maisel, Brauereichef der Brauerei Gebr. Maisel in Bayreuth und kreative Kopf hinter Maisel & Friends, braut traditionelle und neue Bierstiele. Grund genug bei ihm mal nachzufragen wie er zum Reinheitsgebot steht, welche Kritik er daran hat und ob es etwas zu verbessern gäbe. Hier seine ausführliche Antwort:

„Wir sind pro Reinheitsgebot, aber…“

Seit 500 Jahren ist das Reinheitsgebot Garant für die außerordentliche Qualität deutscher Biere und die Verbraucher verlassen sich zurecht darauf. Wir halten das Reinheitsgebot daher für unbedingt schützenswert. Seit Generationen beweisen deutsche Brauer, dass sich mit nur vier Zutaten vielfältige, geschmackvolle und außergewöhnliche Biere brauen lassen.

Allerdings sind für einige traditionelle, internationale Bierstile und moderne Rezepturen Zutaten wie beispielsweise Koriander und Orangenschalen erforderlich, die aufgrund des besonders strengen Reinheitsgebotes in Bayern nicht verwendet werden dürfen. Dass Bierliebhaber solche Spezialitäten genießen und bayerische Brauer diese kreieren möchten, verstehen wir voll und ganz – auch wir würden das gerne tun.

Zuvor muss allerdings gewährleistet sein, dass auch diese Spezialitäten einer rechtsverbindlichen Grundlage bzw. einem „Reinheitskodex“ unterliegen, damit ausschließlich reine, natürliche Zutaten verwendet werden. Ohne eine solche Regelung kann nicht verhindert werden, dass auch künstliche Aromen, Enzyme oder Konservierungsstoffe ihren Weg ins Getränk finden – diese haben unserer Meinung nach darin nichts verloren.

Wir haben die Initiative ergriffen und eine Arbeitsgruppe mit Brauerkollegen, Verbänden und Behörden gegründet. Unser gemeinsames Ziel ist, das Bayerische Reinheitsgebot zu bewahren. Gleichzeitig möchten wir einen verbindlichen Rahmen für die Bierstile schaffen, zu deren Herstellung vom bayerischen Reinheitsgebot nicht zugelassene, natürliche Zutaten unerlässlich sind.

Vielen Dank Jeff für dein Statement!

Fragen an den Braumeister des Tegernseer Brauhaus anlässlich 500 Jahre Reinheitsgebot

Das Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee ist weit bekannt, am meisten wohl für das Tegernseer Hell, eines der besten ‘Hellen’ weltweit. Dabei blickt die kleine Brauerei auf eine lange Geschichte zurück: Nachweislich seit 1803 gibt es das Königliche Brauhaus Tegernsee. Jedoch geht man allerdings davon aus, dass schon mit der Klostergründung auch die Brautätigkeit begann (wenn auch nur für den klösterlichen Eigenbedarf). Sicher ist, dass zum Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes im Jahre 1516, am Ostufer des Tegernsees bereits 500 Jahre lang Bier gebraut wurde.

Neben dem Tegernseer Hell gibt es noch weitere untergärige Biere im Sortiment: Tegernseer Spezial, Tegernseer Dunkel, Tegernseer Pils, Tegernseer Leichtbier. Zusätzlich wird noch das 1806 König I Max Joseph, sowie saisonal beschränkt die Bockbierspezialitäten Blauer Page und Quirinus dunkler Doppelbock gebraut.

HopfenLiebe hat dem Braumeister des Tegernseer Brauhaus anlässlich des 500 jährigen Jubiläums des Reinheitsgebots ein paar Fragen gestellt.

500 Jahre Reinheitsgebot. Was bedeutet das für Sie?
Das Reinheitsgebot ist das älteste noch unverändert gültige Verbraucherschutzgesetz der Welt. Es steht für Transparenz, Natürlichkeit, Klarheit und Reinheit. Für mich persönlich ist es ein unumgängliches Gesetz und der Leitfaden für die Herstellung des natürlichen Qualitätsproduktes „Tegernseer Bier“

Ist ein 500 Jahre altes Gebot überhaupt noch zeitgemäß?
Selbstverständlich werden Biere heute nicht mehr gebraut wie vor 500 Jahren. Bier wird heute unter höchsten hygienischen Standards und mit Hilfe moderner Anlagentechnik hergestellt. Aber das Bierbrauen bleibt nach wie vor auf die Verwendung der vier natürlichen Rohstoffe beschränkt: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Ist das Reinheitsgebot heute eher ein Wettbewerbsvorteil im Sinne eines

Qualitätssiegels oder eher ein Hemmschuh?
Für die gewinnorientierte Konzernbrauerei, wird es wohl eher ein Hemmschuh sein. Im HTB brauen wir nach dem bayerischen Reinheitsgebot, das Beste und sicherste Qualitätssiegel das es in der Lebensmittelbranche gibt.

Würden Sie etwas anders machen, wenn es das Reinheitsgebot nicht gäbe? Wenn ja, was?
Nein – um ein gutes Bier herzustellen brauche ich nur die vier zugelassenen Rohstoffe, ein ausgeprägtes Produktgefühl und handwerkliches Geschick.

Wie groß ist der Spielraum innerhalb der Vorgaben? Nutzen Sie diesen aus? Wenn ja, wie?
Das Reinheitsgebot lässt keinen Spielraum zu und das ist auch gut so! Wenn die bayerische Brauwirtschaft bis jetzt von Lebensmittelskandalen verschont blieb, dann liegt das auch daran, dass die verwendeten Rohstoffe einer kontinuierlichen und umfassenden Rückstands- und Schadstoffkontrolle unterliegen.

Welches Ihrer Biere ist bei den Kunden am beliebtesten? Und welches ist Ihr Lieblingsbier?
Unsere Absatzzahlen lassen den Rückschluss zu, dass unser Tegernseer Hell sehr begehrt bei der Kundschaft ist. Ich persönlich trinke es auch am liebsten.

Gibt es bei Ihnen etwas speziell zum Jubiläumsjahr?
HTB ist eine Brauerei im herzoglichen Besitz und wird traditionell und qualitäts-orientiert geführt und betrieben. Bei uns gibt es auch im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes nur gutes „Tegernseer Bier“.

Vielen Dank für das Interview!

 

Besucher Info
Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee
Schlossplatz 1
83684 Tegernsee

Interview mit Malte Tack von der Vulkan Brauerei zum Reinheitsgebot

Über die Vulkan Brauerei in Mendig hatte HopfenLiebe schon das ein oder andere Mal berichtet. Anlässlich des 500 jährigen Jubiläum des Reinheitsgebot haben wir bei Malte Tack, dem Brauereichef der Vulkan Brauerei mal nachgefragt ob er nicht Lust auf ein kleines Interview zum Thema hat.

Hallo Malte, beschreibe das Reinheitsgebot (RHG) doch bitte erstmal kurz in eigenen Worten.
Das RHG schützt die Reinheit deutscher Biere vor Fusch, Punscherei und Lebensmittelskandalen.

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Das RHG ist der Maßstab für die Gattung deutscher Biere, niemand muss hinterfragen was drin ist.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Einschränkungen gibt es keine und wenn muss man dem Kind eben einen anderen Namen geben, aber nicht Bier.

Wie stehst Du also persönlich zum RHG?
Ich stehe sehr positiv zum RHG.

Hast Du auch Kritik am RHG?
Kritik habe ich nur an Brauern die keine 5 Jahre im Biermarkt sind, Biere brauen die <1% Marktanteil ausmachen und den Anspruch erheben von heut auf morgen das RHG zu kippen. Es scheint teilweise eine eigene Vermarktung zu sein sich durch Diskussionen gegen das RHG groß zu machen.

Ist das RHG also noch zeitgemäß?
Gerade heute wird es immer zeitgemäßer, kein Gesetz sorgt für eine höhere Transparenz bei Lebensmitteln und die Bedeutung von Transparenz ist in der heutigen Zeit viel wichtiger als jemals zuvor.

Welche weiteren Vorteile siehst Du darin?
Neben der Transparenz hat es den Vorteil, dass Groß- und Kleinbrauereien mit den gleichen „Waffen“ kämpfen und nicht die Entwicklungslabore von Wild und Döhler den Geschmack unserer Getränke erstellen.

Warum gibt es das RHG immer noch?
Weil es sich bewährt hat. Das in Deutschland lange Zeit alle Biere sehr ähnlich waren liegt nicht am RHG, sondern daran, dass die Brauer im Rohstoffumgang nicht kreativ waren.

Sollte man etwas am RHG ändern?
Am RHG sollte man nichts ändern, sondern eine neue Gattung stricken in welcher Brauereierzeugnisse außerhalb des RHG Ihren Platz finden und einen eigenen Namen bekommen.

Vielen Dank Malte für die Antworten!

Distelhäuser Brauerei und das Reinheitsgebot

 

Auch bei der Distelhäuser Brauerei in Tauberbischofsheim wird dieses Jahr zum Tag des Bieres und dem 500 jährigen Jubiläum des Reinheitsgebotes gefeiert. Dazu wird es neben einer Veranstaltung unter dem Motto „Wissenswertes rund ums Bier“ ein ganz besonderes Bier geben, den Distelhäuser Jubiläumshopfen. Wie die Brauerei zum Reinheitsgebot steht und warum dies nach 500 Jahren immer noch seine Relevanz hat, erfuhren wir in einem Interview mit Distelhäuser.

Für alle, die mehr zum Thema Reinheitsgebot und Bier erfahren möchten, öffnet die Distelhäuser Brauerei am Sonntag,  24. April 2016 von 11 bis 18 Uhr ihre Pforten. Dieser Tag steht in Distelhausen ganz unter dem Motto „Wissenswertes rund ums Bier“! Die Brauer von Distelhäuser erläutern die wichtigsten Stationen in der Bierherstellung und zeigen, wie aus Hopfen, Malz und Wasser ein frisches Distelhäuser Bier gebraut wird. Doch es bleibt nicht nur bei der Theorie: Besucher können sich auf das „zwickeln“ im Lagerkeller sowie das probieren der Distelhäuser Spezialitäten im Craftbier-Bereich freuen. Zusätzlich kann man in der Brauwerkstatt den Brauern beim Bierbrauen zuschauen. Und ganz besonders Wissbegierige können das Distelhäuser Bierkennerdiplom erwerben.
Auch für musikalische Unterhaltung und leibliches Wohl ist an diesem Tag im Biergarten im Brauereihof gesorgt. Das beste: Der Eintritt ist frei.

distelhaeuser-Jubiläumshopfen

Doch Bier und die Brauerei erleben ist nicht das Einzige was Distelhäuser zu bieten hat. Zum 500 jährigen Geburtstag des deutschen Reinheitsgebotes hat die Distelhäuser Brauerei ein ganz besonderes Bier eingebraut: Den „Distelhäuser Jubiläumshopfen“. In diesem naturtrüben, kalt gehopften Pils vereinen die Distelhäuser Brauer im Sudhaus die Hopfensorten Perle, Smaragd, Tettnanger, Saphir, Nordbrauer und Centennial zu einem ‚einzigartigen Geschmackserlebnis’. Später bei der Kalthopfung erfolgt eine zweite Hopfengabe mit den Hopfensorten Cascade und Citra. Das Ergebnis soll ein fruchtig-spritziges Pils, das dem Reinheitsgebot alle Ehre macht. Das Bier wurde nur in begrenzter Menge eingebraut und hat eine Stammwürze von 12,5 % und einen Alkoholgehalt von 5,2 %.

Besonders spannend ist die Distelhäuser Brauwerkstatt: in einem original Sudhaus im Maßstab 1:100 experimentieren die Braumeister mit ursprünglichen Getreiden, neuen Hopfensorten sowie verschiedenen Hefestämmen und interpretieren historische Bierrezepturen neu. Mit großer Leidenschaft und Kunstfertigkeit kreieren die Bierhandwerker aus dem Taubertal in der Versuchsbrauerei innovative und geschmacksintensive Biere mit eigenem Charakter, die sich geschmacklich deutlich von der Masse abheben und sich auch nicht in die gängigen Sorten einordnen lassen.

Doch nun zum Reinheitsgebot. Wir wollten Wissen was dieses sogenannte ‚älteste Lebensmittelgesetz der Welt’ eigentlich für Distelhäuser bedeutet:

Das Reinheitsgebot zeigt, wie aus nur 4 Zutaten eine enorme Vielfalt an Bieren gebraut werden kann.

Ist es dabei ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Das 500 Jahre alte Reinheitsgebot ist ein Maßstab für Bierkultur und Biervielfalt, da außer den 4 Zutaten nichts ins Bier kommt, aber hunderte von verschiedenen Sorten gebraut werden.

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Wenn man sieht, dass im Rahmen des Reinheitsgebotes hunderte von verschiedenen Sorten gebraut werden, so kann nicht von Einschränkung gesprochen werden.

Wie stehen Sie persönlich zum RHG?
Das Reinheitsgebot gibt dem Verbraucher Sicherheit und ist ein Qualitätssiegel. Daran sollte nicht gerüttelt werden.

Haben Sie Kritik daran?
Hier und da sind Anpassungen nötig, wie beispielsweise dass Weizen oder Dinkelbiere nur obergärig gebraut werden dürfen.

Hat/Hatte es Vorteile?
Im Mittelalter hatte das Reinheitsgebot auf jeden Fall seine Vorteile, da Wasser oftmals verseucht war und man lieber einen Krug Bier als einen Krug Wasser getrunken hat.

Warum gibt es das RHG (noch)?
Weil das Reinheitsgebot nach wie vor Sicherheit gibt.

Vielen Dank für das Interview!

Bierladen in Mainfranken: Ein Interview mit Ines’ Beerstore

Dass es in Franken tolles Bier gibt ist weitläufig bekannt. Doch auch tolle Bierläden gibt es dort. Wir haben mit Ines’ Beerstore aus Meinfranken gesprochen und wollten wissen was dieser Bierladen so alles kann.

HopfenLiebe: Stellt euch und euren Bierladen doch bitte mal kurz vor.
Wir sind ein Craftbeer-Store mit allerhand selbst ausgesuchten Spezialbieren. Zufälligerweise ist das bei uns eine reine Mädels-Domäne.

Wie kam es dazu? Warum habt ihr dann einen Bierladen eröffnet?
Das ist ganz einfach zu beantworten, wir lieben Bier! Unsere Hauptfirma HW Brauerei-Service ist in Brauereien vor Ort um dort Bierfässer zu reparieren. Angefangen hat es dann so, dass wir über unsere Monteure das Bier persönlich nach Mainfranken mitgebracht haben. Und bei uns in der Region war man bisher auf die einzelnen Getränkehändler oder das Internet angewiesen, wenn man Lust auf etwas anderes hatte.

Welches Bier gibt es bei euch?
Bei uns gibt es von belgischen Spezialitäten wie verschiedene Trappistenbiere, amerikanische Hopfenbomben bis zum Ale aus Australien und ein Pale Ale welches aus Würzburg kommt noch einige weitere Schätze die man entdecken und probieren kann

Wie kommt der Bierladen bisher bei den Kunden an?
Mit viel Begeisterung. Wir liegen etwas ländlich, dafür gibt es bei uns immer einen Parkplatz. Wir dürfen zu unseren Kunden nicht nur private Bierliebhaber, sondern auch immer mehr Edeka-Märkte in der Region zählen.

Was ist besonders bei euch?
Dass die Mädels im Beerstore sich für jeden Kunden die Zeit nehmen, dass dieser mit dem passenden Bier und der Vorfreude auf dieses nach Hause geht.

Ines-beerstore

Habt ihr regelmäßige Events oder so?
Bei uns gibt es zweimal im Monat eine Bierverkostung mit unserer Brauerin, die den Kunden die Welt des Bieres und der Aromen näher bringt. Natürlich darf man mein uns auch an einem Brauseminar teilnehmen. Des Weiteren haben wir einen eigenen Veranstaltungsraum (Waldschatz – die Eventlocation) den man für eigene Bierverkostungen buchen kann, oder sich von unserem jamaikanischen Koch (Sterling´s Jamaican Catering) bei einem 5-Gänge-Menü aus der karibischen Küche mit den passend ausgewählten Craftbeeren, verwöhnen lassen kann.

Wie seid ihr eigentlich selbst zum Thema Bier und Craft Bier gekommen?
Zum Thema Bier über HW Brauerei-Service. Und unsere Geschäftsführerin Ines Bergauer hat vor ein paar Jahren ihren Biersommelier gemacht, und somit war der Grundstein in Sachen Craftbeer gelegt.

Was ist ‚Craft Bier’ für euch?
Die ganze Szene. Nicht nur, dass die Brauer sich trauen die unzähligen Möglichkeiten durch die verschiedensten (Aroma)Hopfen, Malze auszuprobieren und somit neue Kompositionen zaubern, man kennt auch das Gesicht des Brauers hinter dem Bier. Es ist immer wie ein Familientreffen, wenn man auf verschiedenen Craftbeer-Veranstaltungen ist und sich austauschen kann.

Wie sieht es mit der Bierszene in eurer Umgebung aus?
Da Unterfranken und vor allem unsere Region um Würzburg bisher eher eine Weingegend war, leisten wir noch etwas Pionierarbeit, aber genau das macht uns riesen Spaß. Um das Thema Craftbeer bei uns noch bekannter zu machen, veranstalten wir am 04.06. in Erbshausen unser 2te Craftbeer-Festival, zu dem jeder eingeladen ist, der Lust auf geiles Bier hat.

Habt ihr regionale Biertipps?
Die verschiedenen Kreationen von dem allseits bekannten Pax. Jeden Monat auf´s neue wieder eine Überraschung. Oder aber das Pale Ale der Brew Dudes aus Würzburg. Sehr sympathische Jungs.

Ines‘ Beerstore
Am Wiesenweg 29
97262 Hausen bei Würzburg