Interview mit Nicola Neumann von den Bierinseln

Im Juli finden in Hamburg, Berlin und München die Bierinseln 2015 statt. Das haben wir zum Anlass genommen um mit der Organisatorin und Gründerin der Bierinseln Nicola Neumann ein kleines Interview zu führen.

HopfenLiebe: Hallo Nicola, zu Beginn, stell Dich doch bitte kurz vor.
Nicola: Ich bin eine Suchende. Seit ich denken kann, suche ich nach Ausdruckmöglichkeiten, etwas Sinnvolles, Bereicherndes in die Welt hineinzubringen. Nicht immer hat das perfekt funktioniert, z.B. meine Karriere als Sängerin war nur mäßig erfolgreich. Seit August 2014 betreibe ich einen Onlinehandel für Winzerchampagner und versuche die Inselinitiativen voranzutreiben. Mit meiner Inselinitiative habe ich zum ersten Mal das Gefühl, ich tue etwas -und die Welt will es, das spornt mich an!

HopfenLiebe: Was sind die Bierinseln eigentlich?
Nicola: Bierinseln sind Orte, die sich der Bierkultur verschrieben haben. Orte an denen es ausgewählte, besondere Biere zu kaufen, erleben oder konsumieren gibt: Bierfachhandlungen, Bier Bars und Ausbildungsstätten. Die Initiative Bierinseln möchte diese Orte und deren Inhaber fördern und setzt sich darüber hinaus für die Biergenusskultur ein, mittels der folgenden Bausteine: Ein „Craft Beer Crawl“ in ausgewählten Städten, einmal im Jahr, an dem alle Inseln zur selben Zeit Verkostungen anbieten. Ein gedruckter Craft Beer Guide in den Städten, in denen der Crawl stattfindet, um die erkundeten Orte nachhaltig im Gedächtnis der Gäste zu verankern. Geführte Bierinsel Touren in ausgewählten Städten, die regelmäßig einmal im Monat stattfinden.
Neu ist die Online Plattform www.bierinseln.de, auf der sich alle Bierinseln im deutschsprachigen Raum gegen eine geringe Gebühr registrieren können. Ziel ist es, Bierinteressierten einen Ort zu bieten, an dem sie Bierläden, Biergastronomie, Ausbildungen und Bierevents in ihrer Stadt finden. Wird die Plattform von den Endkunden angenommen, hilft das wieder den Bierinseln, medial auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Wir befinden uns derzeit im Aufbau der Plattform und hoffen, dass sich in den nächsten Monaten so viele Orte wie möglich registrieren.

HopfenLiebe: Wie ist die Idee dazu entstanden?
Nicola: Zuerst waren die Weininseln, die ich 2013 gestartet habe. Ich hatte die Idee, einen Tag der Offenen Keller, den es eigentlich nur in den Weinregionen gibt, in einer Stadt zu organisieren. Denn ich liebe die Weinkultur – Freunde treffen sich zum Weintrinken, Weinfeste in stimmungsvoller Umgebung, die effizienz-befreite Welt der Winzer usw. Ich dachte, wenn wir alle Münchner auf die vielen schönen Weinorte in ihrer Stadt aufmerksam machen, hilft das die Weinkultur zu steigern und es hilft den Läden, die es heutzutage oft schwer haben, gegen große Internetanbieter und Supermärkte zu bestehen. Die Idee kam so gut an, die Gäste hatten so viel Spaß am genussvollen Entdecken ihrer Stadt, dass 2015 die Bierinseln hinzukamen. Diese Idee wurde von den Münchnern sogar mit noch viel stärkerer Begeisterung aufgenommen.

HopfenLiebe: Was kann man bei den Bierinseln als Besucher machen?
Nicola: Von 12 bis 20 Uhr können die Besucher in bis zu 23 verschiedenen Lokationen Bier verkosten. Wir empfehlen den Gästen, insbesondere die Orte aufzusuchen, die sie noch nicht kennen. Pro Bierinsel zahlt der Gast 5€ und kann dafür mindestens 3 spannende Biere verkosten. Wir haben mit Absicht auf einen all-inkl. Bierpass verzichtet, da es nicht darum geht, möglichst viel Bier zu trinken, sondern bewußt zu genießen. Ich bin überzeugt: wenn kulinarischer Genuss auf besondere Menschen und besonderes Ambiente trifft, verankert sich das tief im Gedächtnis und die Chance steigt, dass der Gast wiederkommt. Ab 20 Uhr gibt es in ausgewählten Inseln noch eine Abschlussparty.

HopfenLiebe: Und was haben die Brauer davon?
Nicola: Brauer haben die Chance sich bei den Bierinseln in den teilnehmenden Lokationen zu präsentieren. Das macht das Programm zu etwas Besonderem und wir bringen Brauer und Läden zusammen, die nicht selten im Nachgang eine Partnerschaft eingehen. Wo wir können vermitteln wir engagierte Brauer an Lokationen und versuchen möglichst vielen innovativen Protagonisten eine Plattform zu geben.

HopfenLiebe: Letztes Jahr gab es ja schon die Münchner Bierinseln. Wie war dort das Feedback?
Nicola: Ganz klar, war die Veranstaltung ein großer Erfolg mit 1.500, 2.000 oder sogar mehr Gästen. Da wir keinen zentralen Eintritt verlangen, können wir die Zahl nur schwer schätzen. Ein kleiner Nachteil ist, dass die zentralen Inseln natürlich viel stärker besucht sind, als die Außenstationen. Aber die Initiative enthält ja mehrere Bausteine und mit dem gedruckten Guide kommen das ganze Jahr über Gäste in die Inseln und wir bekommen auch das ganze Jahr über Presse und machen Werbung auf Facebook.
Wir werden dieses Jahr versuchen noch stärker mit den Inseln daran zu arbeiten, dass in jeder Station auch wirklich etwas Besonderes angeboten wird, denn die Gäste sind sehr interessiert und haben hohe Erwartungen. Letztes Jahr gab es z.B. nicht überall Gläser, dieses Jahr haben wir Spiegelau als Partner an Bord, um einzelne Inseln in diesem Punkt zu unterstützen.

HopfenLiebe: Welche Brauereien sind bei den Bierinseln dabei? Gibt es Kriterien für die Auswahl?
Nicola: Insgesamt nehmen an den Craft Beer Crawls mehr als 70 Protagonisten der Craft Beer Szene teil. Das ist der Hauptteil unserer Arbeit: wir arbeiten hart daran, die engagiertesten Inseln und innovativsten Brauern an Bord zu holen und lassen uns auch nicht entmutigen, wenn wir zunächst Absagen bekommen. Am Ende sagen 95% der angesprochenen Inseln zu, weil sie das Konzept überzeugend finden und uns vertrauen, dass wir es professionell umsetzen.

HopfenLiebe: Thema Bier und Craft Bier insgesamt: Wie siehst Du das momentan in Deutschland und wohin geht der Trend?
Nicola: Ich freue mich sehr über den Trend zu individuellen Produkten generell. Dass wir anfangen nach besonderen Produkten und Orten suchen, die uns inspirieren. Dass viele Menschen etwas Besonders in ihrem Leben machen möchten, in dem sie ein eigenes Produkt kreieren und Läden eröffnen etc. Dieser Trend hat es sogar geschafft Eindruck auf große Konzerne zu machen und das finde ich beeindruckend und beruhigend zu sehen, dass Produkte und Geschäftsideen, die nicht in erster Linie dem kommerziellen Erfolg verschrieben sind, solchen Stellenwert genießen, solche Wertschätzung erfahren.

HopfenLiebe: Was ist Deiner Meinung nach eigentlich ‚Craft Bier’?
Nicola: Das Label „Craft Bier“ kann man nicht einem bestimmten Produkt-Typ zuordnen. Es geht um eine Geisteshaltung. Es geht darum, ein charakterstarkes Bier mit Wiedererkennungswert zu erzeugen. Es geht um die Vision, die ein Brauer hat, bevor er sein Bier braut und was er ausdrucken möchte. Dass man von Standards abweicht, überraschen möchte, nicht in erster Linie gefallen möchte, sich immer wieder verändern möchte. Craft Bier Brauer sind auch Suchende – sie versuchen mit ihren Produkten die Menschen zu bereichern.

HopfenLiebe: Wie bist Du zum Thema Bier gekommen?
Nicola: Erst über die Bierinsel Initiative habe ich das Thema Biergenuss für mich entdeckt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat es mich extrem gepackt. Für mich gibt’s seitdem nur noch zwei Arten von Getränken in meinem Kühlschrank: Winzerchampagner und Craft Beer.

HopfenLiebe: Und welches Bier oder Sorte trinkst Du am liebsten?
Nicola: Zum einen mag ich gerne frische, leichtere Biere, die einen interessanten Charakter haben aber nicht zu bitter sind, z.B. Witbier oder neue Interpretationen der Klassiker Helles oder Pils. Zum anderen mag ich sehr gerne Porters, Stouts und fassgelagerte Biere. Am liebsten von allem etwas in dieser Reihenfolge.

Vielen Dank Nicola für das Interview und viel Erfolg mit den diesjährigen Bierinseln.

Hier gibt es einen Überblick und alle wichtigen Infos zu den Bierinseln 2015.

Interview mit der Privat-Brauerei Zötler zum Redesign der Etiketten

Vor wenigen Wochen berichteten wir über das neue Design der Zötler Biere aus dem Allgäu. Um mehr darüber herauszufinden und die Beweggründe für das Redesign zu verstehen, haben wir die Privat-Brauerei Zötler kontaktiert und dieses kurze Interview geführt.

Unser Ansprechpartner war Biersommelier Niklas Zötler.

Hopfen Liebe: Hallo, vielen Dank für die Gelegenheit ein paar Fragen zum neuen Design Eurer Biere zu diskutieren. Bevor es richtig los geht, kannst Du bitte kurz die Privat-Brauerei Zötler vorstellen.
Niklas Zötler: Wir sind die älteste Familienbrauerei der Welt und brauen seit 1447 in Rettenberg im wunderschönen Allgäu, mittlerweile in der 21. Generation unsere Biere. Unser Zötler Gold (Exportbier) ist unsere Hauptsorte, daneben brauen wir noch 8 weitere Bierspezialitäten (wie Helles, Hefeweizen, Dunkles, Vollmondbier etc.), 2 Biermischgetränke, 2 alkoholfreie Biere und 4 Saisonbiere.

Uns zeichnet vor allem die Liebe und die Leidenschaft zum Bierbrauen aus.

Hopfen Liebe: Was war der Anlass das Design der Flaschen zu ändern? Gab es dazu einen konkreten Anlass?
Niklas Zötler: Einen richtigen Anlass gab es eigentlich nicht. Aber Veränderungen müssen von Zeit zu Zeit sein, denn Stillstand ist Rückschritt und wir schauen eigentlich immer nach vorne!
Seit der letzten großen Veränderung unserer Etiketten sind über 20 Jahre vergangen und somit war das Design einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Etiketten waren vollgestopft mit unterschiedlich Botschaften, Schriftarten und Stilelementen; davon wollten wir weg und eine einheitliche Erscheinung, all unserer Etiketten schaffen.
Einen richtigen Zeitpunkt gibt es für so eine Umstellung wahrscheinlich nicht, aber es ist aus unserer Sicht sinnvoll nicht erst dann etwas zu verändern, wenn es der Brauerei schlecht geht und wir zum Handeln gezwungen sind. Und auch nicht dann, wenn die Übergabe auf die nächste Generation erfolgt ist, sonst heißt es schnell: „der Junge will alles verändern.“

Neue Biere von Zötler

Hopfen Liebe: Wie ist der Ablauf eines solchen Redesigns von der Idee bis zum fertigen Design? Wie lang hat der ganze Prozess gedauert und wer war alles daran beteiligt? 

Niklas Zötler: Von dem Entschluss, das Design zu ändern, bis zur Umsetzung im Markt sind knapp zwei Jahre vergangen.
An diesem Prozess waren zum einen die beiden Gesellschafterfamilien Zötler und Müller beteiligt, aber natürlich auch unsere Führungskräfte. Für die kreativen Ideen und die Umsetzung waren, neben meinem Vater und mir, unsere Markenagentur sons aus Kempten und Michael Prestel, aus Thalkirchdorf zuständig. Michi hat die ganzen Zeichnungen erstellt.

Die Ideen sind in zahlreichen Meetings und Brainstormings entstanden.

Hopfen Liebe: Steht das neue Design auch für eine Neuausrichtung der Marke Zötler?
Niklas Zötler: Nein, eigentlich nicht. Mit dem neuen Design haben wir versucht, klarer die Brücke zwischen Tradition und Moderne zu schlagen: Zum einen sind die Etiketten aufgeräumter und klarer, zum anderen möchten wir mit den Zeichnungen unserer Geschichte und Tradition gerecht werden. So ziert zum Beispiel mein Urgroßvater jetzt das Etikett unseres Zötler Gold, da er es zu seiner Zeit auf den Markt gebracht hat.

Wir sind bodenständig und sehr heimatverbunden.

Brauerei Aussen

Hopfen Liebe: Wie denkt ihr, kommt das neue Etikett bei den Stammkunden an?
Niklas Zötler: Eigentlich ganz gemischt. Wir haben festgestellt, dass unsere jüngeren Kunden die neuen Etiketten super finden, die älteren sich mit der Umstellung etwas schwer tun.
Es ist im Endeffekt alles dabei an Meinungen.

Worauf es, meines Erachtens aber ankommt ist, dass sich an der Qualität unserer Bierspezialitäten in keinster Weise etwas geändert hat.

Hopfen Liebe: Ab wann gibt es das neue Design im Handel?
Niklas Zötler: Wir verwenden seit ca. 3 Wochen nur noch die neuen Etiketten und alles was seitdem in den Handel kommt, ist schon ins neue Gewand gekleidet.

Hopfen Liebe: Vielen Dank Niklas für das Interview und viel Erfolg!

Wir danken vielmals Niklas Zötler für die Gelegenheit zum Interview und die Beantwortung der Fragen.

Brauerei Info:
Die Privat-Brauerei Zötler wurde 1447 gegründet hat ihren Sitzt in Rettenberg im Oberallgäu. Sie ist damit die älteste Familienbrauerei Deutschlands und produziert jährlich etwa 45.000 Hektoliter Bier. Die Brauerei gehört zur Initiative Die Freien Brauer, einem Zusammenschluss unabhängiger Privatbrauereien in Europa.

Website: www.zoetler.de
Facebook: facebook.com/zoetler.bier