Interview mit Torsten Mömken vom Brauprojekt 777 zum Reinheitsgebot

Das Brauprojekt 777 aus Voerde am Niederrhein machen 100% handgemachtes Bier. Doch wie stehen die Vier zum Reinheitsgebot? HopfenLiebe hat Torsten vom Brauprojekt 777 danach gefragt,

Torsten, wie erklärst Du das Reinheitsgebot in eigenen Worten?
Jaaaaaaa……… Das Reinheitsgebot ist ja sachlich gesehen nicht mehr als eine reine Rohstoffbegrenzung.
Natürlich hat es auch eine Kulturelle Bedeutung und ist neben Autos und Fußball dem Deutschen sehr wichtig.
Und da Volkswagen gerade durch sein eigene Interpretation von Ehrlichkeit besticht und pünktlich zum Jubiläum mehr und mehr kritische Stimmen zum Reinheitsgebot aufkommen, bin ich mal auf die Fußball Europameisterschaft gespannt:)

Ist das Reinheitsgebot ein Maßstab für Qualität, Geschmack, und Braukultur?
Das ist die richtige Frage, die wir häufig gestellt bekommen.
Und ich glaube, dass es sehr naiv ist, zu glauben, dass die sehr guten Deutschen Biere weniger der Guten Ausbildung des Brauwesens oder der hervorragenden Infrastruktur in Bezug auf Erfahrungsaufbau und Weiterentwicklung/Forschung, statt einer schnöden Rohstoffbegrenzung, geschuldet sind.
Und bei der Qualität ist es halt schwierig. Wir brauen zum Beispiel ja auch Biere die nicht Reinheitsgebots konform sind. Dann benutzen wir Beispielsweise Kürbis, Honig oder Birnen.
Das sind aber alles Zutaten aus der Region, vom Züchtern die wir persönlich kennen. Den Bauern der die Gerste für mein Malz herstellt kenne ich nicht persönlich. Welche Qualität in Hinsicht auf Anbau und „Reinheit“ kann ich wohl besser beurteilen.

brauprojekt_777_kiste

Ermöglicht/Beschränkt das RHG die Sortenvielfalt der Biere und Kreativität des Brauers?
Man kann innerhalb des Reinheitsgebot fantastische Biere Brauen. Und irgendwo macht das ja auch einen gewissen Reiz aus.
Allerdings wird man auch klar beschränkt.

Wie stehst Du persönlich zum RHG?
Also, man muss dem Reinheitsgebot ja schon einen gewissen Respekt zollen, dass es sich so lange gehalten hat.
Man darf ja nicht vergessen, für den Kunden ist es ja nicht schlecht, wenn er auf dem Etikett ließt „nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut“ dann muss er nicht erst die Inhaltsstoffe studieren, sich mit der Bedeutung irgendwelcher E-Stoffe auseinander setzen sondern weiß sofort woran er ist.  So etwas findet man heutzutage nicht mehr so häufig in der Lebensmittelindustrie.
Deshalb kann man hier schon auch stolz sein, dass sich ein solches Gebot 500 Jahre gegen jeden Lobbyismus  durchsetzen konnte.
Wir wären auch nie für eine Abschaffung des Reinheitsgebots, sondern eher für eine Überarbeitung.

Ist das RHG noch zeitgemäß?
Ich denke vielleicht sogar mehr denn je. Ich meine gerade in Zeiten der TTIP Verhandlungen sollte uns der Wert strenger Regeln der Lebensmittelüberwachung schon bewusst sein.
Allerdings sollte so ein Gebot eben erweiterungsfähig bleiben. Um eben eine gesunde Mischung zwischen Vielfalt und Vertrauen zu erhalten.

Vielen Dank Torsten für das Interview!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.